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Merken   Drucken   06.08.2012, 12:53 Schriftgröße: AAA

Baumarktkette: Machtkampf bei Praktiker erreicht Chef Hafner

Praktiker ist in der Krise und versucht, sich selbst zu sanieren. Dabei gehen die Ideen unter den Eigentümern weit auseinander. Fondmanagerin Isabella de Krasny will die Absetzung von Vorstandschef Kay Hafner.
© Bild: 2012 Reuters/FABIAN BIMMER
Praktiker ist in der Krise und versucht, sich selbst zu sanieren. Dabei gehen die Ideen unter den Eigentümern weit auseinander. Fondmanagerin Isabella de Krasny will die Absetzung von Vorstandschef Kay Hafner.

Der angeschlagene Baumarktkonzern Praktiker  hat sich wenige Tage vor Auslaufen des Vertrages von Vorstandschef Kay Hafner nicht zu einer Verlängerung durchringen können. Der Aufsichtsrat berief am Montag zwar mit Thomas Heinitz einen neuen Einkaufschef, ließ die Position von Hafner aber unverändert. "Was aus Dr. Hafner wird, ob er zurücktritt oder ein Mandat erhält, ist derzeit offen", sagte ein Firmensprecher. Hafners Vertrag läuft am 13. August aus.

Der Aufsichtsrat hatte bereits von einigen Wochen angekündigt, den Vorstand nach mehreren Abgängen wieder auffüllen zu wollen. Zuletzt hatten Hafner und Finanzchef Markus Schürholz das Unternehmen alleine geführt.

Bei Praktiker tobt ein Machtkampf um die Sanierung. Vorstand und Aufsichtsrat hatten sich gegen ein von der österreichischen Bank Semper Constantia vorgelegtes Finanzpaket entschieden. Das Unternehmen zweifelt daran, dass die Zusagen der Investoren um die Fondsmanagerin Isabella de Krassny und den Geschäftsmann Clemens Vedder verlässlich sind. Hafner hält stattdessen an dem eigenen Sanierungsmodell fest. Zu diesem gehört ein teures Darlehen des Hedgefonds Anchorage über 85 Mio. Euro.

Krasny will Andreas Sandmann als Vorstandschef

Isabella de Krasny strebt Hafners Ablösung an. Ihr Wunschkandidat ist der frühere Chef von Deutschlands größter Baumarktkette Obi, Andreas Sandmann. Die Fondsmanagerin vertritt neben Semper Constantia auch die zyprische Investmentgesellschaft Maseltov - und damit insgesamt rund 15 Prozent an Praktiker. Sie hatte das Angebot von Anchorage für Wucher gehalten, musste ihm aber auf der Hauptversammlung Anfang Juli letztlich zähneknirschend zustimmen. Anchorage sitzt damit am längeren Hebel. Die Aktionäre können noch bis Montag Mitternacht vor Gericht Einspruch gegen die Beschlüsse einlegen. Damit wäre die Sanierung zumindest für einige Zeit blockiert. Aus Vedders Umfeld hieß es, solche Klagen seien in Vorbereitung. Praktiker wollte sich vor Ablauf der Frist nicht äußern.

Begehrlichkeit weckt vor allem die Praktiker-Tochter Max Bahr: Die läuft weit besser als das lange auf Niedrigpreise getrimmte Kerngeschäft. Sowohl Anchorage als auch Semper wollen Max Bahr als Sicherheit für ihre Kredite haben. Als Teil seines Sanierungsplans will Hafner zahlreiche Praktiker-Märkte im Süden Deutschlands in Max-Bahr-Häuser umwandeln.

Der neue Vorstand für Einkauf, Marketing und Logistik, Thomas Heinitz, kennt Max Bahr bestens. Der 55-Jährige Manager arbeitete mehr als 20 Jahre bei der Praktiker-Tochter. Vor einigen Jahren wechselte er zur Einkaufskooperation Zeus.

  • Reuters, 06.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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