Auf dem Markt für Herrenhemden verschärft sich der Verdrängungswettbewerb. Vor allem kleine und wenig bekannte Marken verlieren Kunden, während die Großen zulegen. Nachdem Seidensticker im Jahresverlauf bereits von steigenden Verkäufen berichtet hatte, erwartet nun auch der schwäbische Anbieter Olymp mehr Umsatz. "Dieses Jahr werden über 170 Mio. Euro herauskommen", sagte Geschäftsführer Mark Bezner der FTD. Im vergangenen Jahr hatte der Umsatz des Bietigheimer Unternehmens bei 142 Mio. Euro gelegen.
Die Hemdverkäufe verringern sich seit Mitte der 90er-Jahre kontinuierlich. Die Menschen geben immer weniger Geld für Kleidung aus. Wollen die Hersteller wachsen, müssen sie ihren Wettbewerbern Marktanteile abtrotzen. Den Druck verstärkt der amerikanische PVH-Konzern, der durch Calvin Klein und Tommy Hilfiger bekannt ist und nun mit der preiswerten Marke Arrow nach Europa drängt.
Bezner lässt die transatlantische Invasion noch kalt. "Das hat keine Dimensionen, die wir spüren", sagt er. Der Gründersohn aus Bietigheim bei Stuttgart baut den Umsatz seit Jahren aus. Olymp spezialisierte sich früh auf bügelfreie Hemden im mittleren Preisbereich um die 50 Euro. Wie andere Hersteller auch geht das Unternehmen weg vom reinen Bürohemd und setzt modische Akzente. Aus gutem Grund: Da immer mehr Anzugträger die Krawatte weglassen, haben sie mehr Freiheit bei der Hemdenwahl. Ein Trend, den Alfred Haar von der auf die Textilbranche spezialisierten Unternehmensberatung Hachmeister + Partner kennt. "Das Geschäft mit Freizeithemden läuft ausgesprochen gut."
Dass der Gegenwind stärker wird, spürt Bezner aber. Nach 20 Prozent in diesem Jahr stellt er sich für 2012 nur noch auf ein Wachstum im einstelligen Bereich ein. In seinem Fokus stehen neue Auslandsmärkte, zum Beispiel China. Bislang sind die Olymp-Hemden neben Deutschland vor allem in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Großbritannien verbreitet.
Teil 2: Tückisches Geschäft mit Hemden mittlerer Preisklasse