Kursinformationen und Charts
Konnten bisher
Tesco und Asda, eine Tochter des US-Supermarktkonzerns
Wal-Mart , ihre Marktanteile über Jahre ungehindert ausbauen, kommt nun die Nummer drei,
Sainsbury , nach einer Krise wieder spürbar ins Rennen - zum Leidwesen von Asda.
Der Chef der Wal-Mart-Tochter, Andy Bond, gestand nun sogar ein, dass Sainsbury ihm Rang zwei im wettbewerbsstärksten Einzelhandelsmarkt Europas bei Lebensmitteln abnehmen könnte. "Man kann nur bewundern, was das neue Management von Sainsbury geschafft hat. Die könnten uns in den kommenden Monaten überholen", sagte Bond. Dann stünde Wal-Mart neben seiner bislang fehlgeschlagenen Expansion nach Deutschland auch in Großbritannien vor einem Problem.
Sainsbury hat seinen Marktanteil - nachdem der Konzern beinahe auf Platz vier abgeglitten wäre - erstmals wieder deutlich verbessert. Seit Mai 2004 ist er von 15,5 auf 15,9 Prozent gestiegen. Asdas Anteil ist derweil von 16,6 auf 16,5 gefallen, während Marktführer Tesco, gewohnt erfolgreich, seinen Anteil auf knapp unter 30 Prozent weiter steigern konnte.
Sainsbury erzielt erste Erfolge
Während der neue Sainsbury-Vorstandschef Justin King mit einem um 1,7 Prozent gestiegenen Umsatz im letzten Quartal auf erste Erfolge seiner Sanierungsstrategie verweisen kann, gab Wal-Mart zu, dass das Quartal der britischen Konzerntochter, "nicht so war, wie wir uns das gewünscht hätten". Aus der Wal-Mart-Zentrale heißt es, das Umsatzwachstum sei bei Asda von fünf Prozent pro Quartal auf "einen niedrigen einstelligen Prozentsatz" gesunken. Marktübersichten zeigten bereits im März, dass der Umsatz von Sainsbury inzwischen schneller wächst als der von Asda.
Obwohl Wal-Mart seine Niedrigpreisstrategie seit dem Einstieg in den britischen Markt 1999 auch bei Asda durchsetzt, wird sie inzwischen von Sainsbury und Tesco kopiert und besser umgesetzt. "Das haben die einheimischen Rivalen bald besser rausgehabt", urteilt Andrea Cockram vom Marktforscher Verdict. Asda habe zunächst probiert, Kunden nur mit vorübergehenden Preisnachlässen in die Filialen zu locken, und sei nun nach dem Vorbild von Tesco auf eine Strategie dauerhaft gesenkter Preise eingeschwenkt. "Sainsbury hat die Probleme in der Lieferlogistik und die Verfügbarkeit seiner Waren in den Supermärkten nachhaltig gelöst", das bekomme die Konkurrenz zu spüren, meint Cockram.
Tesco bekommt zunehmend Schwierigkeiten
"Man wird den Eindruck nicht los, dass bei Asda Panik ausgebrochen ist", bestätigt ein Branchenkenner. Dass die Probleme so hartnäckig werden, wie bei der deutschen Tochter Wal-Mart Germany, wo Jahre nach dem Markteinstieg noch keine schwarzen Zahlen geschrieben werden, wird von Experten nicht erwartet. Die Amerikaner müssten am Beispiel Großbritannien der Branche jedoch demonstrieren, dass sie ein Gespür für den europäischen Handel hätten, heißt es.
Asda-Chef Bond will das Ruder nun herumreißen. Sein Unternehmen soll wieder besser ins Rennen gegen Tesco kommen, um damit gleichzeitig Sainsbury abzuschütteln. Bond hat letzte Woche dafür David Cheesewright in sein Team geholt, einen Handelsexperten, der bisher Wal-Mart in Kanada führte. Noch ungenutztes Potenzial soll ausgeschöpft werden. Ein Baustein dieser Strategie war die Ankündigung von Asda am Montag, vom Konkurrenten Safeway Supermärkte in Nordirland zu übernehmen. Damit stößt Asda erstmals auf die irische Insel vor.
Doch auch die bisher unangefochten agierende Nummer eins, Tesco, bekommt zunehmend Schwierigkeiten. Die starke Marktstellung verbaut weitere Expansion per Übernahmen im Inland durch das Kartellrecht. Tesco dürfte aber weiter stark organisch wachsen. "Der Konzern wird vermutlich am meisten vom einsetzenden Abschwung bei den Konsumausgaben der Briten profitieren", schätzt Analystin Cockram.