Der französische Telekommunikations- und Medienkonzern Vivendi trennt sich von Chef Jean-Bernard Lévy. Wie das Unternehmen am Donnerstag Abend mitteilte, hätten unterschiedliche Auffassungen über die Strategie zu Lévys Rücktritt geführt. Sein Nachfolger soll Justiziar Jean-François Dubos werden. Der Wechsel hatte sich bereits abgezeichnet und wurde von Investoren begrüßt. An der Börse in Paris legte die Vivendi-Aktie am Donnerstag um mehr als fünf Prozent zu. Lévys Rücktritt mache es wahrscheinlicher, dass der Konzern umgebaut wird, schließlich sei der Manager ein Verteidiger der alten Struktur gewesen, sagte Mirko Maier, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Am Wochenende hatten Verwaltungsrat und Spitzenmanagement von Vivendi auf einem Gipfeltreffen über die Forderung der Aktionäre beraten, den Konzern aufzuspalten.
Besonders mit Vivendi-Aufsichtsratschef Jean-René Fourtou war Levy uneins. Zu den Tochtergesellschaften Vivendis zählen der weltgrößte Musikkonzern Universal Music, das Videospielunternehmen Activision Blizzard, das Bezahlfernsehunternehmen Canal Plus sowie Telekommunikationsfirmen in Frankreich, Marokko und Brasilien. Offenbar tendiert Fourtou dazu, Vivendi aufzuspalten. Aktionäre und Anleger fordern einen radikalen Umbau: der Konzern sei mehr wert als die Summe seiner Teile.
Vivendis wichtigster Sparte, dem Mobilfunkanbieter SFR, setzt derzeit die wachsende Billigkonkurrenz zu. Wie auch der Wettbewerber France Telecom liefert sich SFR einen heftigen Preiskampf mit Free Mobile, dem Neuankömmling auf dem französischen Mobilfunkmarkt. Lévy setzte deshalb Ende März den aus Deutschland stammenden Frank Esser als SFR-Chef ab und übernahm die Aufgabe selbst. Jetzt soll Vivendis Personalchef Stephane Roussel SFR führen. Eigentlich sollte der ehemalige Europachef von Vodafone, Michel Combes, Anfang August den Job übernehmen. Aber schon am Mittwoch zeichnete sich ab, dass die Turbulenzen bei Vivendi dem einen Riegel vorschieben werden.
Lévy geriet in die Kritik, als er vergangenes Jahr für die 44-Prozent-Beteiligung des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone an SFR 7,8 Mrd. Euro bezahlte - kurz bevor die Turbulenzen im französischen Markt begannen. Der Geschäftsbereich wird in den kommenden Wochen voraussichtlich Pläne vorstellen, mit denen die Kosten um 1 Mrd. Euro gesenkt werden sollen. Auf dem Gipfeltreffen Vivendis am Wochenende sollen die Vertreter der Konzernführung entschieden haben, dass an der Spitze des Unternehmens drastische Veränderungen vorgenommen werden müssen.
Lévy war auch der führende Kopf hinter dem 1,2 Mrd. Pfund (1,5 Mrd. Euro) schweren Übernahmeangebot von Universal Music für das Tonträgergeschäft des Musikkonzerns EMI, das die Aufsichtsbehörden in Europa und den USA noch prüfen. Lévy setzte sich für eine Strategie ein, die wichtigsten Elemente von Vivendi zusammenzuhalten.
Einer eingeweihten Person zufolge soll die größte Sorge des Aufsichtsrats ein Urteil in den USA zu Liberty Media gewesen sein sowie die schlechte Entwicklung bei SFR. "Sie haben am Wochenende informell abgestimmt, die Mehrheit war sich einig, dass Lévy gehen müsse. Es war aber Fourtou, der die endgültige Entscheidung getroffen hat", hieß es.
Diese Woche entschied eine Jury in New York, Vivendi müsse 765 Mio. Euro Schadensersatz an Liberty Media zahlen. Der Fall geht zurück auf ein Milliardengeschäft zwischen den beiden Unternehmen vor etwa zehn Jahren, als Jean-Marie Messier Vivendi-Chef war.