Eigentlich ist er ein bisschen langweilig. 6,058 Meter lang, also genau 20 Fuß, 2,438 Meter breit, 2,591 Meter hoch. Gut zwei Tonnen Stahl, ein bisschen Holz, bunter Lack. Sehr robust und immer gleich. Rund 20 Millionen fahren um die Welt: 20-Fuß-Standardcontainer, der große Bruder mit 40 Fuß und ein paar Kühlboxen.
Ein bisschen langweilig - für die Containerbranche ist das etwas Gutes. Denn die Stahlbox bringt solide und zuverlässig Geld ein für Anleger, Fondshäuser, Leasingfirmen, Containerhersteller und Reparaturbetriebe. Auf den turbulenten Schifffahrtsmärkten, wo Boomjahre und heftige Krisen einander ablösen, ist das ein Alleinstellungsmerkmal. Im Moment ist die Krise mal wieder heftig, die Containerreedereien schrieben 2011 fast alle Verluste. Besserung ist nicht in Sicht, schließlich gibt es schon jetzt mehr Schiffe als gebraucht werden. Und weitere kommen hinzu, denn vor Beginn der Wirtschaftskrise haben die Reeder in Erwartung eines rasant wachsenden Welthandels viele Frachter bestellt, die nun vom Stapel laufen.
"Uns geht es am besten, wenn es der Schifffahrt ein bisschen schlecht geht", sagt Dirk Baldeweg, der beim Hamburger Fondshaus Buss Capital das Geschäft mit Containern verantwortet. Also genau so schlecht, dass den Reedereien zwar das Geld fehlt, um selbst Container zu kaufen. Aber nicht so schlecht, dass die Kunden in die Pleite rutschen oder der Containerumschlag einbricht. Im Moment ist der Grad der Schlechtheit genau richtig für die Containerbranche, sagt Baldeweg. "Die Reedereien haben wenig Geld und konzentrieren ihre Investitionen auf ihr Kerngeschäft: Schiffe."
Rund die Hälfte der weltweiten Containerflotte gehört den Reedereien selbst, den Rest mieten sie von Leasingfirmen wie Textainer, Triton, TAL oder Florens. Die wiederum verwalten die Container zum Teil für Fondshäuser wie Buss, die Boxen gehören dann den Fondsanlegern. Rund zehn Prozent der weltweiten Leasingflotte gehören zu Buss. "Die Reeder müssen Container mieten. Der Trend geht zum Leasing", sagt Baldeweg. Seit 2009 bestellen die Containervermieter den Großteil der Boxen, in den Jahren davor waren es die Reeder selbst.
"Die Probleme der Reedereien sind hausgemacht", sagt Baldeweg. Denn der Welthandel wächst und damit auch die Nachfrage nach Containertransporten. Buss erwartet für 2012 acht Prozent mehr Containerumschlag als 2011. Laut Stefan Gäde, Branchenanalyst der HSH Nordbank, wird der weltweite Containerverkehr bis 2013 um 14,5 bis 16,6 Prozent wachsen - die Schiffsflotte allerdings sogar um 17 bis 19 Prozent.
Überkapazitäten gibt es bei den Boxen nicht - ganz im Gegenteil: Rund 98 Prozent der Container der Leasingfirmen waren 2011 im Einsatz. Schuld daran war auch ein extremer Engpass bei den chinesischen Containerherstellern. In der Krise seit Ende 2008 hatten sie die Produktion vollständig eingestellt. Im Aufschwung 2010 gaben Reedereien und Boxleasingfirmen dann eilig neue Bestellungen auf. Doch die Schweißer fehlten. Die Wanderarbeiter hatten sich einen neuen Job gesucht in Chinas Fabriken. Die Preise für neue Container stiegen rasant. Inzwischen hat sich der Neubaumarkt wieder stabilisiert. Eine neue Standardbox bekommt man nun für rund 2500 Dollar. "Wir gehen davon aus, dass der Preis langsam steigen wird", sagt Baldeweg. Schließlich werden Stahl, Holz und auch Arbeitskräfte immer teurer. "Aber Angebot und Nachfrage haben sich jetzt wieder eingependelt."
"Der Markt läuft gerade günstig, viele unserer Kunden scheuen davor zurück, im Moment selbst Container zu kaufen", sagt Brian Sondey, der Chef der Containerleasingfirma TAL. "Wir erwarten, dass das auch dieses Jahr so bleibt." Laut Weltmarktführer Textainer lag die durchschnittliche Gewinnmarge der Leasingfirmen in den vergangenen fünf Jahren immer zwischen 30 und 50 Prozent - selbst in der Branchenkrise 2009. Textainer schrieb 2011 bei 422 Mio. Dollar Umsatz einen Gewinn von 204 Mio. Dollar. Die Containerleasingraten schwanken ebenfalls deutlich weniger stark als die Mietraten der Containerschiffe. Derzeit zahlen Reeder für eine fabrikneue Box rund 0,85 Dollar pro Tag, wenn sie ihn langfristig mieten, also meist fünf Jahre.
Auch Fondshäuser wie Buss oder P&R und ihre Anleger profitieren. Buss legt gerade zwei neue Containerfonds auf, die bisherigen laufen gut, sagt Baldeweg. "Der Containermarkt ist stabil, hat aber keine Millionäre hervorgebracht. Er ist ein guter Markt, gerade weil er langweilig ist."