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Merken   Drucken   01.03.2006, 15:07 Schriftgröße: AAA

Deutsche reisen trotz Fußball-WM ins Ausland

Die Fußball-Weltmeisterschaft hat auf das Reiseverhalten der Deutschen offenbar keinen Einfluss. Der weltgrößte Tourismuskonzern TUI rechnet damit, dass der Markt in Deutschland auch im WM-Jahr 2006 kräftig wachsen wird. Großes Wachstums-Potenzial sieht TUI bei Internetbuchungen und im Kreuzfahrtgeschäft.
Michael Frenzel, Vorstandsvorsitzender von TUI   Michael Frenzel, Vorstandsvorsitzender von TUI
Kurz vor Beginn der wichtigen Tourismusmesse ITB hat TUI-Chef Michael Frenzel einen positiven Ausblick auf das Geschäft mit dem Urlaub gegeben. Der Markt in Deutschland werde nach Expertenschätzungen 2006 um vier Prozent wachsen. "Und das sehen wir auch so", sagte Frenzel in Berlin.
Entgegen den Expertenprognosen habe die Fußball-Weltmeisterschaft keine spürbaren Auswirkungen auf das Buchungsverhalten. "Der Juni ist der bisher am stärksten gebuchte Monat des Jahres", sagte Frenzel. Das sei im Vergleich zur Fußball-Europameisterschaft 2004 ein spürbarer Unterschied. "Obgleich die Nachfrage noch immer unter dem Wert von 2000 liegt, spüren wir eine deutliche Aufwärtsbewegung", sagte Frenzel zur generellen Marktentwicklung. Im Trend liege weiterhin Mallorca, hier gebe es zweistellige Zuwachsraten. Ein Reiseland mit Zukunftspotenzial seien die Kapverdischen Inseln.
"Stille Revolution" bei Internetbuchungen
Wachstumschancen lägen vor allem im Internet. Hier habe die TUI im vergangenen Jahr ihren Umsatz gegenüber 2004 konzernweit um 44 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro gesteigert. In der Entwicklung der Internet-Reisebuchungen sieht Frenzel "eine stille Revolution". Die Reiseveranstalter könnten auf diesem Weg auch an Kundenschichten kommen, die sie bisher nicht erreicht hätten. Die TUI sei in diesem Sektor mit einem Marktanteil von rund 24 Prozent in Deutschland gut aufgestellt.
Die Möglichkeit, sich selbst seine Urlaubsreise im Internet zusammenzustellen, das so genannte Dynamic Packaging spiele eine große Rolle. "In fünf Jahren wird sich der Markt zu gleichen Teilen in Packaging-Angebote, Pauschalreisen und selbst organisierte Reisen aufteilen", sagte Frenzel voraus.
Nach Meinung Frenzels wird das Wachstum im Tourismus-Geschäft in den nächsten Jahren anhalten. Dazu werde auch die demographische Entwicklung beitragen. Denn mehr als die Hälfte der Veranstaltergäste in Deutschland und Großbritannien sei älter als 50 Jahre.
Das Kreuzfahrtschiff AIDAvita von TUI-Partner Aida Cruises: TUI ...   Das Kreuzfahrtschiff AIDAvita von TUI-Partner Aida Cruises: TUI überlegt, selbst ins Kreuzfahrtgeschäft einzusteigen
Frenzel bestätigt Kreuzfahrtpläne
Frenzel bestätigte, dass die TUI überlege, ins Massengeschäft mit Kreuzfahrten einzusteigen. Marktstudien zeigten, dass dort Chancen lägen. "Wir sind dabei, uns da aufzustellen." Aber bisher sei man noch im Stadium der Prüfungen. Es sei auch noch nicht entschieden, ob dazu eigene Schiffe gekauft würden. Der Schiffsraum sei knapp geworden und die Werften bis 2009 ausgebucht. "Wir werden uns nicht selbst unter Druck setzen", sagte Frenzel.
Ausdrücklich verteidigte Frenzel dagegen die spektakuläre Übernahme der britisch-kanadischen Reederei CP-Ships. Die TUI-Tochter Hapag-Lloyd ist damit seit Jahresbeginn zum weltweit viertgrößten Reeder in der Containerschifffahrt geworden. Es sei auch darum gegangen, Unsicherheit aus dem Konzern zu nehmen.
"Die Welt ist unsicherer geworden. Und auf zwei Beinen steht man besser als auf einem", sagte Frenzel über das Konzept, der krisenanfälligen Touristiksparte mit dem Zukauf die profitable Säule Schifffahrt zur Seite zu stellen. Kritiker hatten ihm vorgeworfen, mit der 2 Mrd. Euro teuren Übernahme den Konzern zu tief in die Schulden gestürzt zu haben.
Umfrage: 2006 gutes Jahr für die Reisebranche
Das Leipziger Institut für empirische Forschung (LEIF) hat eine Umfrage zum Reiseverhalten vorgelegt. "Das Jahr 2006 sieht bisher günstig für die Reisebranche aus", sagte LEIF-Leiter Harald Schmidt. 54 Prozent der Ostdeutschen und damit mehr als jemals zuvor würden für das laufende Jahr eine Urlaubsreise planen. Weitere 27 Prozent der Befragten hätten angegeben, innerhalb der nächsten Wochen eine Entscheidung für oder wider Urlaubsreise treffen zu wollen. Lediglich 19 Prozent hätten gesagt, dass sie definitiv nicht verreisen werden.
Auf dem ostdeutschen Reisemarkt ist den Angaben zufolge TUI mit einem Anteil von 26 Prozent bei den Ferienreisen mit Veranstalter Marktführer. Mit 24 Prozent Anteil landete Thomas Cook auf Rang zwei. Mit deutlichem Abstand folgte die Rewe-Gruppe mit einem Anteil von 12 Prozent.
  • FTD.de, 01.03.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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