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  FTD-Serie: Die Folgen der Öl-Hausse

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) hat sich inzwischen fast über der Marke von 100 $ etabliert. Manche Experten rechnen sogar schon mit einem Anstieg auf 200 $. Die FTD-zeigt, wie stark einzelne Branchen unter dem Preisschock leiden - und welche sogar profitieren.

Merken   Drucken   11.06.2008, 09:08 Schriftgröße: AAA

Die Folgen der Öl-Hausse (5): Containerschiffe drosseln das Tempo  

Der hohe Ölpreis macht der Schifffahrtsbranche schwer zu schaffen. Containerschiffe verbrauchen Tausende Tonnen Treibstoff. Technische Alternativen sind nicht in Sicht. Das Motto der Reeder lautet deshalb: runter vom Gas. von Mark Krümpel (Hamburg)
In der Schifffahrt geht bald nichts mehr ohne Tempolimit. Denn der rasante Anstieg des Ölpreises trifft die Reedereien hart. "Das ist absolut dramatisch", sagt ein Branchenkenner. Der Preis pro Tonne Schiffstreibstoff hat sich aber seit 2005 verdoppelt.
Die "Colombo Express" beispielsweise, eines der weltgrößten Containerschiffe der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, verbraucht bei einer Fahrt pro Tag rund 240 Tonnen Bunker, wie das Schweröl für Schiffe genannt wird. Beim derzeitigen Preis von rund 550 $ pro Tonne fallen täglich allein Treibstoffkosten von rund 130.000 $ an. Schippert die "Colombo Express" voll beladen von Hongkong nach Hamburg, muss Hapag-Lloyd für mehr als 3 Mio. $ tanken.
Erhebliche Einsparungen durch Tempolimit
Schon seit geraumer Zeit versuchen die Containerreedereien daher, den Treibstoffverbrauch zu senken, indem sie die Schiffe langsamer fahren lassen. Die möglichen Einsparungen sind beachtlich. "Sind Schiffe statt mit 25 nur noch mit 20 Knoten unterwegs, verringert sich der Verbrauch um rund 50 Prozent", sagt Michael Behrendt, Chef der TUI-Tochter Hapag-Lloyd. "Drosselt man die Fahrt von 23,5 auf 20 Knoten, liegt die Einsparung beim Schweröl immer noch bei 35 Prozent", rechnet der Manager vor.
Dadurch verlängern sich allerdings die Fahrtzeiten - bei einer geringeren Geschwindigkeit von zwei bis drei Knoten zwischen Asien und Europa um etwa drei bis vier Tage. Viele Reedereien drosseln trotzdem die Geschwindigkeit und setzen lieber ein zusätzliches Schiff auf bestimmten Strecken ein, um das Containeraufkommen zu bewältigen.
Manche nehmen gar Verluste in Kauf
"Treibstoff ist so teuer, dass selbst die Kosten für ein weiteres Schiff geringer sind als die Spritkosten bei voller Geschwindigkeit", sagt ein Schifffahrtsexperte. Die großen Einsparmöglichkeiten bei der Geschwindigkeit seien aber bald ausgereizt, heißt es in der Branche.
Der Chef der Oetker-Reederei Hamburg Süd, Klaus Meves, warnt daher bereits vor den Auswirkungen des hohen Ölpreises. Die Containerreedereien müssten sich wohl auf geringere Renditen einstellen, wenn sie die höheren Kosten nicht über die Frachtraten an ihre Kunden weitergeben können. Und das ist auf bestimmten Routen schwierig - vor allem dort, wo die Auslastung gering ist. Zudem versuchen einige Reeder, die Preise für den Transport der Waren niedrig zu halten, um Marktanteile zu gewinnen. Manche nehmen gar Verluste in Kauf.
  • Aus der FTD vom 11.06.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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