Eine Mutter zeigt ihrer Tochter ein aus Legosteinen gebautes Modell des Berliner Reichstages
Wie beide Seiten am Mittwoch in Kopenhagen bekannt gaben, werden die Freizeitparks in die von Blackstone kontrollierte Merlin Entertainment Gruppe eingegliedert. Neben dem Kaufpreis erhält Lego 30 Prozent der Anteile an der verstärkten Merlin-Gruppe.
Blackstone hatte Merlin erst vor wenigen Wochen übernommen. Die britische Entertainment-Gruppe betreibt europaweit unter anderem 17 Sea-Life-Meeresaquarien sowie den Londoner und den Hamburger Dungeon. Mit dem Kaufpreis erzielt der Lego-Konzern in etwa die Vorgaben der Analysten, die die vier Parks mit rund 400 Mio. Euro bewertet hatten. Für das seit Jahren mit Verlusten kämpfende Unternehmen kommt die Übernahme zur rechten Zeit: Allein 2004 hatte die Freizeitparksparte rund 67 Mio. Euro Verlust zum Konzernminus von 250 Mio. Euro beigetragen.
Lego will mit dem Verkaufserlös nun sein Kerngeschäft stärken. Die Nachfrage nach den weltbekannten bunten Bauklötzchen des Konzerns leiden unter dem zunehmenden Interesse der Kinder an elektronischen Geräten wie Computer und Handys.
Kampf gegen Besucherschwund
Blackstone setzt hingegen auf Synergieeffekte und Größenvorteile. Die neue Merlin Entertainment Gruppe wird mit jährlich zwölf Millionen Besuchern der zweitgrößte Freizeitpark-Betreiber in Europa sein. Zudem sollen die Legoland-Parks auf Effizienzsteigerungen hin überprüft werden, sagte der Sprecher des Private-Equity-Hauses John Ford. In der Regel halten Finanzinvestoren ihre Beteiligungen zwischen drei und fünf Jahren, bevor diese wieder abgestoßen werden. "Das gilt auch für Merlin und Legoland", sagte der Blackstone-Sprecher.
Ob der Finanzinvestor mit seiner neuen Errungenschaft viel Spaß haben wird, ist jedoch fraglich. Die vier Lego-Freizeitparks im dänischen Billund, im bayerischen Günzburg im englischen Windsor sowie in Carlsbad im US-Bundesstaat Kalifornien kämpften in der Vergangenheit mit stagnierenden oder gar rückläufigen Besucherzahlen. "Legoland hat das Problem, dass die Zielgruppe, die dieser Park anspricht, zu klein ist", sagt Ulrich Reinhard vom BAT-Freizeitforschungsinstitut in Hamburg. "Vor allem den Jugendlichen ist dieser Park nicht hip genug." Alle vier Legoland-Parks hatten 2004 zusammen gut fünf Millionen Besucher. Zum Vergleich: Der größte Freizeitpark Deutschlands, der Europa-Park Rust in Baden-Württemberg, hat alleine rund 3,7 Millionen Besucher.
Branche konsolidiert sich
Die Übernahme der Lego-Freizeitsparte ist ein weiterer Schritt in der Konsolidierung der Branche, an der sich die Finanzinvestoren beteiligen. So übernahm im März ein Beteiligungsfonds des Wüstenemirats Dubai die britische Tussauds-Group, die neben dem berühmten Wachsfigurenkabinett in London auch zahlreiche Erlebnisparks wie den Heide-Park im niedersächsischen Soltau betreibt. Im April kaufte der Investor Palamon den europäischen Teil der Freizeitgruppe Six Flags Parks, zu der Warner Bros. Movie World - mittlerweile in Movie World umbenannt - in Bottrop gehört.
Das Interesse der Finanzinvestoren kommt nicht von ungefähr: Der Branche werden hohe Wachstumsraten vorausgesagt. "Der Freizeitpark wird immer mehr zum Ziel eines Kurzurlaubs", sagt Freizeitforscher Reinhard. Bis 2010 werde allein hier zu Lande der Anteil der Kurzurlauber um bis zu 30 Prozent wachsen.