Seit den 70er-Jahren hatte Schlecker immer mehr kleine, abgelegene und billige Filialen eröffnet. Kundennähe war lange das Erfolgsrezept. Doch nach und nach eroberten auch Konkurrenten und Discounter die Fläche. Gleichzeitig stiegen die Ansprüche der Kunden. Die meist unwirtlich wirkenden Läden werden von Jahr zu Jahr schlechter besucht.
Für die Sanierung ist Schlecker auf Arbeitnehmervertreter ebenso wie Lieferanten und Vermieter angewiesen. Die Belegschaft war bereits Mitte Dezember gebeten worden, vorübergehend auf Gehalt zu verzichten, um das Unternehmen zu retten. Doch zu Verhandlungen kam es bislang nicht. Mit dem Insolvenzantrag gewinnt Schlecker hier zunächst Zeit: In den ersten drei Monaten nach Antragstellung zahlt der Staat die Gehälter der rund 30.000 Mitarbeiter. Gleichzeitig hebelt Schlecker mit dem Insolvenzantrag einen eigentlich noch bis Mitte des Jahres geltenden Beschäftigungssicherungspakt aus. Die Kette kann durch Filialschließungen überflüssig gewordene Kassiererinnen kündigen. Das kurzfristige Kündigungsrecht trifft auch die Vermieter von Filialen.
Selbst wenn die Gläubiger dem Planverfahren zustimmen, müsste Schlecker eine weitere Hürde nehmen: Das Gericht muss zusätzlich klären, ob es eine Eigenverwaltung durch die bisherigen Manager akzeptiert. Der eigentliche Insolvenzverwalter wäre dann als sogenannter Sachwalter der Gläubiger weitaus weniger mächtig.
Als mögliche Insolvenzverwalter nannten Insider zwei Namen: Werner Schneider und Michael Pluta. Gläubiger Markant soll den Verwalter Ottmar Hermann vorgeschlagen haben.