Aus Ihr Platz wird Mäc Geiz: Gut ein Fünftel aller Ihr Platz-Filialen werden Schnäppchenmärkte. Die österreichische MTH Retail Group hat 109 Filialen der insolventen Drogeriekette aus Osnabrück gekauft, wie Ihr Platz-Insolvenzverwalter Werner Schneider am Freitag mitteilen ließ. Und MTH will Mäc-Geiz-Filialen aus den Läden machen.
Der Verkauf der bundesweit 490 Filialen kommt damit weiter voran. Sie werden wie im Fall Rossmann entweder umgeflaggt oder eine andere Branche im Einzelhandel bedienen. Ihr Platz wird damit wie ihr pleitegegangener Mutterkonzern Schlecker vom Markt verschwinden. Laut Insolvenzverwaltung sind Verträge mit Interessenten für etwa 300 der Läden unter Dach und Fach oder stehen kurz vor dem Abschluss. Für viele Mitarbeiter stehen die Chancen auf Joberhalt gut. "Der Insolvenzverwalter strebt in allen Fällen die Weiterbeschäftigung an", sagte der Sprecher. Bislang hat Ihr Platz gut 4000 Beschäftigte. Das Handelsunternehmen MTH Retail aus Guntramsdorf in Österreich will den Beschäftigten neue Arbeitsverträge anbieten.
Die MTH-Gruppe gehört dem österreichischen Industrielle Josef Taus. Er ist vor allem an Standorten in mittlerer Größe interessiert. Der MTH-Gruppe gehören in Deutschland bereits die Discounter Mäc Geiz und PfennigPfeiffer. Taus war einst einer der bekanntesten Politiker Österreichs. Der 79-jährige Manager war zunächst Bundesparteiobmann der konservativen Österreichischen Volkspartei, dem österreichischen Pendant der CDU. 1989 stieg er aus der Politik aus und gründete später die MTH Holding. Diese hat in der Vergangenheit Unternehmen aus der Insolvenzmasse aufgekauft und erfolgreich saniert. "Wir veranstalten keine Blutbäder unter der Belegschaft", lautet eines der Erfolgsrezepte von Taus.
Auch der Textildiscounter Kik ist an einigen Filialen der Schlecker-Tochter interessiert. "Wir befinden uns derzeit in Sondierungsgesprächen", teilte eine Unternehmenssprecherin am Freitag auf Anfrage der dpa mit. Sie bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatts". Die Verhandlungen laufen zunächst über die HH Holding, die beratend für Kik tätig ist. Auch in diesem Fall ist davon auszugehen, dass ein möglicher Abschluss sich vor allem auf die Räumlichkeiten beschränkt.
Kik gehört zu mehr als 80 Prozent dem Handelskonzern Tengelmann; an dem Discounter ist auch die Woolworth-Eignerin HH Holding beteiligt, die wie Kik im nordrhein-westfälischen Bönen ansässig ist.
Der Textildiscounter NKD aus dem oberfränkischen Bindlach möchte ebenfalls rund 100 Ihr-Platz-Filialen übernehmen. "Der Insolvenzverwalter geht davon aus, dass es nächste Woche zu einem Abschluss mit NKD kommen wird", sagte der Sprecher am Freitag der dpa. Auch hier wird es nur um den Kauf der Märkte gehen. "In allen Fällen, außer denen von Rossmann, startet daher in den kommenden Tagen der Ausverkauf", sagte Schneider dem "Handelsblatt".
Der niedersächsische Drogerieriese Rossmann hat sich bereits am 18. Juli 104 Märkte gesichert. Zustimmen müssen nur noch Kartellamt und einzelne Vermieter. Rossmann will gut 800 Jobs langfristig sichern. Branchenprimus dm hatte bisher neun Ihr-Platz-Märkte übernommen und gehört zu den Bewerbern für weitere Käufe. Bislang war als Interessent auch immer noch die Rede vom Münchner Investor Dubag.
Die Filetstücke von IhrPlatz hat sich bereits Rossmann gesichert, mit Märkten an belebten Plätzen wie etwa Bahnhöfen. Nach den geplanten weiteren Übernahmen wird es immer noch einen Rest geben. Mit weiteren Verkäufen in den nächsten Tagen ist zu rechen. Branchenkreisen zufolge steht es schlecht um die Ihr Platz-Zentrale in Osnabrück, die könnte dichtgemacht werden.
Ihr Platz hatte im Januar zusammen mit dem Mutterkonzern Schlecker Insolvenz angemeldet. Bei Schlecker scheiterte die Rettung im Juni, alle Filialen sind bereits endgültig geschlossen. Gut 25.000 Beschäftigte haben durch die Insolvenz ihren Job verloren.