Air Berlin will seine dünne Kapitaldecke mit dem Verkauf von acht Flugzeugen aufbessern. Die Veräußerung werde das Eigenkapital verbessern und die Liquidität erhöhen, schreibt die Fluglinie in ihrem Quartalsbericht. Die Maschinen sollen nicht zurückgeleast werden.
Es werde erwartet, dass die Eigenkapitalquote - also der Anteil des eigenen Kapitals am Gesamtkapital des Unternehmens - Ende des Jahres höher sein werde als Ende 2011. Ende Juni lag die Kennzahl bei vier Prozent. Seitdem sei das Eigenkapital aber bereits wieder gestiegen - allein im Juli um 60 Mio. Euro.
Eine Steigerung ist auch nötig. Aktuell droht dem hochdefizitären Lufthansa-Wettbewerber der Verlust der finanziellen Handlungsfähigkeit. Für Fluggesellschaften dieser Größenordnung gelten Eigenkapitalquoten von 20 Prozent als gesund. Air Berlin hatte dies zuletzt 2010 erreicht. Marktführer Lufthansa kam Ende Juni auf 26,8 Prozent. Zugleich rechnet das Air-Berlin-Management um Vorstandschef Hartmut Mehdorn damit, von seinen Fluggästen mehr Geld verlangen zu können.
Schon in den ersten sechs Monaten seien die Durchschnittserlöse je Passagier kontinuierlich gestiegen, hieß es bei der Fluglinie. Dieser Trend dürfte sich im Rest des Jahres fortsetzen. Mit Hilfe des Schrumpf- und Sparprogramms will Mehdorn mit Air Berlin nach mehreren verlustreichen Jahren 2013 die Gewinnschwelle erreichen. Der frühere Chef der Deutschen Bahn führt Air Berlin seit knapp einem Jahr, kann bislang aber noch keine durchschlagenden Sanierungserfolge aufweisen.
Die Hauptstadtfluglinie war im zweiten Quartal - wie bekannt - wegen der hohen Kerosinpreise noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Nettoverlust lag bei 66,2 Mio. Euro nach einem Fehlbetrag von 43,9 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz des Lufthansa-Konkurrenten zog um 1,7 Prozent auf rund 1,1 Mrd. Euro an.
Air Berlin hatte sich mit der Expansion überhoben und hat seit 2007 keinen Jahresgewinn mehr eingefahren. Konzernchef Mehdorn verordnete der Fluglinie deshalb einen harten Sanierungskurs. Beispielsweise wurden unrentable Flugverbindungen gestrichen, um die Auslastung der Maschinen zu erhöhen und die Kosten zu senken. Zudem wurde die arabische Airline Etihad an Bord geholt.
Dennoch ist ein Ende der Probleme bei Air Berlin nicht abzusehen. So reichte das Restrukturierungsprogramm im ersten Halbjahr gerade einmal aus, um die gestiegenen externen Belastungen wie Kerosinkosten aufzufangen. Aus dem Umfeld des Unternehmens ist zudem zu hören, dass sich die Allianz mit dem Großaktionär Etihad sowie die Mitgliedschaft beim Luftfahrtbündnis Oneworld nicht so ertrags- und umsatzsteigernd entwickelt wie erhofft.
Etihad hatte der klammen Air Berlin Ende 2011 ein Darlehen in Höhe von 196 Mio. Euro gewährt, von denen Ende Juni bereits knapp 163 Mio. Euro abgerufen wurden.
Die Probleme von Air Berlin dürften auch damit zusammanhängen, dass die Inbetriebnahme des Berliner Großflughafens BER auf das nächste Jahr verschoben wurde. Air Berlin will dort ein Drehkreuz installieren.
Mehdorn warnte davor, die Eröffnung des Hauptstadtflughafens zu weit hinauszuschieben. "Hoffentlich kommen die schnell in die Hufe", sagte der Manager am Mittwoch, einen Tag vor der nächsten Aufsichtsratssitzung des Flughafens. Der Neubau müsse so früh wie möglich in Betrieb gehen. Auch der zuletzt anvisierte Termin 17. März 2013 gilt als fraglich.