Edeka Südwest, eine von sieben Regionalgesellschaften der Handelsgruppe, präsentiert im pfälzischen Städtchen Rülzheim, wie die Zukunft des Bezahlens aussehen soll. Zusammen mit einem selbstständigen Kaufmann aus der Region hat der Konzern eine Filiale eröffnet, die mit biometrischen Lesegeräten für die Einkaufswelt von morgen gerüstet ist. Statt in bar oder mit Karte zahlen die Kunden dort durch den Abdruck ihrer Fingerkuppe.
Es ist der erste Supermarkt in Deutschland, der mit dem neuen Bezahlsystem arbeitet. In den kommenden zwei Monaten werden weitere sechs Filialen damit ausgerüstet. Falls die Probephase erfolgreich läuft, wird Edeka Südwest den Fingerabdruck-Scan nach Informationen von FTD Online im großen Stil einführen. Die Investitionskosten pro Kasse sollen bei rund 100.000 Euro liegen.
"Dies ist die erste Edeka-Filiale, die mit dem System Digiproof ausgerüstet wurde, weitere sind in Planung", sagte Ulrich M. Kipper, Geschäftsführer des Dienstleisters IT-Werke in Lahr, der FTD. Sein Unternehmen entwickelte das Zahlen per Fingerspitze für den deutschen Markt. Die Edeka-Zentrale in Hamburg betrachtet das Konzept als Vorstoß ihrer Regionalgesellschaft Südwest und wollte sich zu dem Testlauf nicht äußern.
Weltweit arbeiten Einzelhändler derzeit an neuen Bezahlsystemen, um Wartezeiten an den Kassen zu verkürzen und Kunden besseren Service zu bieten. Vorteile sehen die Unternehmen durch die Supermarkt-Biometrie in sinkenden Transaktionskosten bei der Bezahlung sowie günstigeren Versicherungsprämien, die Einzelhändler für mögliche Zahlungsausfälle - etwa beim Gebrauch gestohlener EC-Karten - entrichten müssen.
In den USA haben Handelsketten wie Thriftway, Kroger und Piggly Wiggly Carolina den Fingerabdruck als Zahlungsmittel schon getestet. Letztere will das System ab Mai flächendeckend einsetzen. Nach Angaben des Unternehmens nutzen inzwischen mehr Kunden den biometrischen Zahlungsweg als eine bestimmte Kreditkarte.
Ob sich der Bezahlfinger in Deutschland durchsetzten wird, hängt vor allem von der Bereitschaft der Kunden ab, ihre individuellen Körpermerkmale speichern zu lassen. Wer bei dem Pilotprojekt in der Pfalz mitmachen will, muss einen Satz seiner Fingerlinien im Geschäft hinterlegen und in ein Lastschriftverfahren einwilligen.
Die Daten werden auf einem Zentralrechner gespeichert, an den die einzelnen Scanner angeschlossen sind. Der Kunde legt einen Finger nach dem Einkauf auf das Lesegerät, lässt sich identifizieren und stimmt damit zu, die Rechnung von seinem Konto abbuchen zu lassen. Der Sensor erkennt den Käufer anhand seiner Fingerstruktur, misst aber auch Temperatur und Oberflächenspannung der Haut. Ein Trickbetrüger könnte so zum Beispiel nicht mit einem Siliconabdruck eines fremden Fingers bezahlen, verspricht der Hersteller.
Datenschützer haben bislang keine Einwände gegen das Edeka-Projekt. Eine Genehmigungspflicht für Geschäftsprozesse, bei denen biometrische Daten gespeichert werden, gibt es in Deutschland nicht, sagte ein Sprecher des Bundesbeauftragten für Datenschutz.
Problematisch wäre es jedoch, wenn etwa die Eß- und Trinkgewohnheiten der Konsumenten zusammen mit den Fingerabdrücken gespeichert und an Dritte weitergegeben würden. Bei einem schwerwiegenden Verstoß gegen das Datenschutzgesetz droht dem Betreiber ein Bußgeld.