Der Arbeitskampf dauerte rund eine Woche, jetzt gelang überraschend der Durchbruch: Die Gewerkschaft Verdi und die Lufthansa haben sich auf einen Tarifabschluss geeinigt. Schrittweise werden die Gehälter von 50.000 Mitarbeitern am Boden und in der Kabine um 7,4 Prozent angehoben. Die Gewerkschaft hatte 9,8 Prozent gefordert.
Die Vereinbarung sieht einer Mitteilung der Lufthansa zufolge wie folgt aus: Die Gehälter für die 34.000 am Boden beschäftigten Mitarbeiter werden ab dem 1. Juli 2008 um 5,1 Prozent erhöht. Ab dem 1. Juli 2009 werden die Gehälter um weitere 2,3 Prozent angehoben. Hinzu kommt eine Einmalzahlung einschließlich einer ergebnisabhängigen Komponente je nach Geschäftsfeld von bis zu 2,4 Prozent einer Jahresgrundvergütung.
Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 21 Monaten bis zum 28. Februar 2010. "Lufthansa wird somit die individuelle Vergütung ihrer Mitarbeiter umgerechnet auf Basis von je 12 Monaten um 4,2 Prozent erhöhen", so der Konzern.
Doch Verdi repräsentiert nur einen kleinen Teil des Kabinenpersonals. Der weitaus größere Teil ist bei der Spezialgewerkschaft für Flugbegleiter Ufo organisiert, deren Tarifvertrag bis Jahresende läuft. Diese hat eine Lohnforderung von 15 Prozent angekündigt. Für die Kabinenmitarbeiter stellte Lufthansa die Einigung daher unter den Vorbehalt, dass das Unternehmen mit Ufo auch eine entsprechende Vereinbarung schließen kann. Der Verdi-Konkurrent bezeichnete den Abschluss in einer ersten Reaktion allerdings als zu niedrig.
Die Lufthansa-Aktie reagierte auf die Meldung über die Einigung zeitweise mit einem Kursanstieg von zwei Prozent und stemmte sich damit deutlich gegen den Negativtrend im Dax. Zwischenzeitlich schmolz der Kursgewinn etwas zusammen, das Papier behauptete sich in einem fallenden Gesamtmarkt jedoch deutlich in der Gewinnzone.
Die Einbußen für das Unternehmen durch den Streik mit mehreren Hundert ausgefallenen Flügen bezifferte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer auf "einen deutlich zweistelligen Millionen-Euro-Betrag". Auch der Tarifabschluss werde das Unternehmen deutlich belasten. Im zweiten Jahr der Laufzeit lägen die Mehraufwendungen bei knapp 100 Mio. Euro. Jeder Prozentpunkt beim Tarifabschluss koste rund 15 Mio. Euro, die Einmalzahlungen nicht mitgerechnet.
Teil 2: Warum der Streik noch nicht ausgestanden ist