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Merken   Drucken   23.11.2012, 13:49 Schriftgröße: AAA

Ende der Partnerschaft mit EBS: KPMG bildet jetzt alleine weiter

Die skandalgeschüttelte European Business School hat einen Krisenherd mehr: Im lukrativen Weiterbildungsgeschäft kommt ihr der wichtigste Partner abhanden. Die Unternehmensberatung KPMG kündigt ihren Vertrag und gründet ein eigenes Institut.
© Bild: 2012 dpa/Bildfunk/Fredrik Von Erichsen
Die skandalgeschüttelte European Business School hat einen Krisenherd mehr: Im lukrativen Weiterbildungsgeschäft kommt ihr der wichtigste Partner abhanden. Die Unternehmensberatung KPMG kündigt ihren Vertrag und gründet ein eigenes Institut.
von Hamburg

Mit Weiterbildung lässt sich viel Geld verdienen, das weiß auch Rolf Cremer, Präsident der skandalgeschüttelten European Business School (EBS). Er sieht hier "riesiges Wachstumspotenzial". Um den klammen Haushalt der Uni aufzubessern, will Cremer den Bereich Executive Education kräftig ausbauen. Der Umsatz soll von jetzt 25 Prozent auf 50 Prozent steigen. Dazu sollte in diesem Herbst eine Executive School an den Start gehen; bislang gibt es die Einrichtung nicht.

Und nun ist der Uni auch noch einer ihrer wichtigsten Partner in der Weiterbildung abhandengekommen. Anfang dieser Woche wurde bekannt, dass die Wirtschaftsprüfungs- und -beratungsgesellschaft KPMG ihren Vertrag mit der EBS gekündigt - und selbst eine Weiterbildungseinrichtung gegründet - hat. Das Institute of Corporate Education, kurz Incore, soll innovative Methoden und Konzepte für die Wissensvermittlung in Unternehmen entwickeln. Dazu will das Institut mit einem eigenen Thinktank und Stiftungsprofessuren an Hochschulen auch praxisorientierte Bildungsforschung betreiben.

Für die EBS ist das ein herber Rückschlag in ihren Bemühungen, sich mit Weiterbildungsangeboten finanziell breiter aufzustellen. KPMG war der größte von sieben Dienstleistern der EBS. Gut 500.000 Euro soll die Uni jährlich an Lizenzgebühren von KPMG kassiert haben.

Die private Business-School hat ihr Weiterbildungsgeschäft in der Tochtergesellschaft EBS Executive Education gebündelt, die gemeinsam mit privaten Unternehmen Seminare anbietet. Die EBS erhält dafür Gebühren; im Jahr 2010 lag der Umsatz bei rund 2 Mio. Euro. Einer der Partner war die SMI Campus, eine Tochter des Logistikberaters Brainnet, den KPMG kürzlich übernommen hat. Wegen der Geschäfte, die Brainnet mit der EBS gemacht hat, ist derzeit der ehemalige Unipräsident Christopher Jahns angeklagt. Er war selbst an Brainnet beteiligt und soll in seiner Amtszeit 180.000 Euro zugunsten von Brainnet veruntreut haben.

Der "Wiesbadener Kurier" berichtet, dass es im Sommer zu einem Streit zwischen der EBS und ihren Weiterbildungspartnern gekommen sein soll, weil die Hochschule höhere Lizenzgebühren verlangt habe.

KPMG jedenfalls macht Weiterbildung jetzt auf eigene Rechnung. Allerdings mit einer Person, die sie aus der EBS übernommen hat: Nicole Gaiziunas ist Geschäftsführerin von Incore. Sie war zuletzt Mitglied der Geschäftsführung der EBS Executive Education GmbH - und ist die Lebensgefährtin von Jahns.

Es scheint nicht ausgeschlossen, dass Jahns selbst auch in diesen Bereich wieder einsteigt. In einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk hatte er kürzlich gesagt, es gebe interessante Angebote im Weiterbildungsbereich.

  • FTD.de, 23.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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