Noch 2004 hatte der Anteil bei deutlich über 75 Prozent gelegen. Immer beliebter werden dagegen Wärmepumpen, auf die inzwischen jeder fünfte Bauherr setzt. Öl spielt kaum noch eine Rolle.
Eine wichtige Ursache des dramatischen Einbruchs sind staatliche Programme. So fördert Berlin aus Umweltgründen beispielsweise Solaranlagen oder Holzpellet-Kessel. Daneben spiegelt sich in den Zahlen auch die Sorge vieler Verbraucher, ob die Gasversorgung in Deutschland dauerhaft sicher ist. Ein großer Teil des hiesigen Gases kommt aus Russland. Moskau hatte den Gasfluss in den letzten Jahren wegen Spannungen mit dem Transitland Ukraine wiederholt unterbrochen. Auch andere gasexportierende Länder gelten als politisch unsicher.
Die Skepsis der Normalverbraucher trifft die Gasbranche hart - immerhin machen private Haushalte und Kleingewerbe zusammen 41 Prozent des Gesamtabsatzes aus. "Der Wettbewerb im Wärmemarkt ist deutlich härter geworden", sagte Hildegard Müller, Chefin des Energieversorgerverbands BDEW.
Parallel zu den Verlusten bei Heizungen sinkt aufgrund der Rezession der Gasabsatz in der Industrie. So fuhren Großkunden aus der Chemie- und Metallindustrie ihre Produktion zuletzt deutlich herunter. Im ersten Quartal schrumpfte der Erdgas-Absatz in Deutschland um sieben Prozent, doppelt so stark wie der Energieverbrauch insgesamt. Das Niveau von 2008 werde erst in drei oder vier Jahren wieder erreicht, sagte Jörg Spicker, der Chef des Gashändler-Verbands Efet Deutschland.
Viele Industriefirmen schlügen überschüssige Gasmengen derzeit über die Leipziger Energiebörse EEX los, sagt der Prognos-Energieexperte Jens Hobohm. Die Folge: Auf dem Spotmarkt fiel der Preis für sofort verfügbares Gas am Donnerstag auf 8,45 Euro je Megawattstunde. Das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Notierungen im Februar 2007. Im letzten Sommer hatte dieselbe Menge noch rund 27 Euro gekostet.
Endkunden profitieren aber kaum. In Deutschland sei der Einfluss der Spotmarktpreise auf die Endpreise gering, hieß es beim größten deutschen Gasimporteur Eon-Ruhrgas. Die meisten Stadtwerke bestellen den Großteil ihres Gasbedarfs bei Ferngasfirmen wie Ruhrgas, Wingas oder VNG nach festen Preisformeln, meist gekoppelt an den Ölpreis. Allerdings kauften immer mehr Stadtwerke zumindest kleinere Teilmengen flexibel ein, um Niedrigpreise wie derzeit an der EEX zu nutzen, sagte Hobohm. Er zweifle aber, dass die Preisvorteile komplett weitergegeben würden.