FTD.de » Unternehmen » Handel+Dienstleister » Netzbetreiber warnt vor Blackouts

Merken   Drucken   16.01.2012, 22:02 Schriftgröße: AAA

Energiewende: Netzbetreiber warnt vor Blackouts

Laut Experten wächst die Gefahr von Stromausfällen in Deutschland. Die Leitungen sind hoch belastet - es gibt bereits konkrete Pläne für Notabschaltungen.
© Bild: 2011 Bloomberg/Guenter Schiffmann
Laut Experten wächst die Gefahr von Stromausfällen in Deutschland. Die Leitungen sind hoch belastet - es gibt bereits konkrete Pläne für Notabschaltungen. von Michael Gassmann  Berlin
Die Gefahr von Stromausfällen an wichtigen deutschen Wirtschaftsstandorten ist nach Einschätzung von Experten deutlich gestiegen. "Die Systemsicherheit steht unter Stress. Die Netze sind hoch belastet", sagte Boris Schucht, Chef des Netzbetreibers 50 Hertz Transmission, am Montag in Berlin. Besonders kritisch sei die Situation im Ballungsraum Hamburg sowie im Rhein-Main-Gebiet.
Das Netz von 50 Hertz Transmission deckt nahezu ein Drittel der Fläche der Bundesrepublik ab. Das Unternehmen betreibt knapp 10.000 Kilometer Leitungen und versorgt insgesamt 18 Millionen Einwohner, darunter auch den Großraum Hamburg. Die Region bezog ihren Strom früher von knapp einem halben Dutzend Großkraftwerken. Nach der Schließung der Atommeiler Krümmel und Brunsbüttel ist nur noch Brokdorf übrig. Das Kohlekraftwerk Moorburg geht wegen technischer Probleme voraussichtlich erst 2014 in Betrieb.
Die Warnung konkretisiert erstmals die Blackout-Gefahr in Deutschland. Dass sie von einem Netzbetreiber kommt, ist ungewöhnlich. Zwar haben die Unternehmen ein Eigeninteresse, die Dringlichkeit von Investitionen zu unterstreichen, um höhere Netzentgelte durchzusetzen.
Wie akut die Gefahr wirklich ist, zeigen jedoch konkrete Pläne. So hat der Betreiber in seinem Vertrag mit einem Großkunden - der Aluminiumschmelze Trimet - erstmals mögliche Notabschaltungen bis zu einer Stunde vereinbart. Die Hütte verschlingt mit 400 Megawatt fast ein Drittel der Brokdorf-Leistung. Reicht die Abschaltung nicht, um das Netz zu stabilisieren, soll die Bevölkerung aufgerufen werden, Strom zu sparen - etwa mittags keine Wäsche mehr zu waschen.
Das Szenario widerspricht den jüngsten Aussagen des Chefs der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. Dieser hatte kürzlich die Blackout-Befürchtungen gedämpft: "Ich denke, es müsste gut gehen." Letzte Sicherheit gebe es nicht, räumte er ein. Jochen Patt, Referent der Behörde, bezeichnete die Situation auf einer Tagung am Montag in Berlin als angespannt. Zwar sei schon viel unternommen worden, dennoch brauche man einen "Sicherheitspuffer, um für extreme Situationen gewappnet zu sein" - etwa einen gleichzeitigen Ausfall von Leitungen, Trafos und Kraftwerken.
Laut 50-Hertz-Chef Schucht arbeitet derzeit etwa ein Drittel des Netzes "an der absoluten Belastungsgrenze". Vor einigen Jahren seien die Stromautobahnen im Schnitt während zehn Stunden pro Jahr extrem belastet gewesen. Heute sei dies bis zu 5000 Stunden lang der Fall - also während sieben Monaten pro Jahr.
Eine zusätzliche Gefahr birgt die veraltete Technik in Solaranlagen. Bisher schalten spezielle Bauteile, sogenannte Wechselrichter, die Module ab, wenn die Frequenz der Energieversorgung zu hoch wird. Über 300.000 größere Anlagen können auf einen Schlag vom Netz gehen. Derzeit sind schätzungsweise Module mit 20 Gigawatt maximaler Leistung angeschlossen, was 20 Großkraftwerken entspricht.
Früher galten Abweichungen der Netzfrequenz als sehr unwahrscheinlich. Doch der zunehmende Stromhandel und kleinere Netzstörungen lassen die Gefahr steigen. Im Dezember erreichte die Frequenz gleich zweimal beinahe den kritischen Wert von 50,2 Hertz. "Im Extremfall schalten sich mehrere Gigawatt ab", warnt der Ingenieurverband VDI in einer Studie.
Die Bundesregierung plant nun eine Vorschrift, wonach größere Solaranlagen ab zehn Kilowatt umgerüstet werden müssen. Wer die Kosten von schätzungsweise mindestens 600 Mio. Euro trägt, ist noch völlig unklar.
  • Aus der FTD vom 17.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Verkauf von Makro: Neuanfang für Metro

    "Zum Handeln geschaffen" lautet Metros Motto. Der neue Konzernchef Olaf Koch scheint den Slogan wörtlich zu nehmen. Mit dem ersten großen Verkauf einer Tochter bricht er den Stillstand bei Metro auf. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Stationen eines Topbankers

Bilderserie

  30.05. Wirtschaft Facebook-Aktie bis zu zehn Prozent im Minus
Wirtschaft: Facebook-Aktie bis zu zehn Prozent im Minus (00:00:35)

Damit lag die Aktie deutlich unter dem Ausgangskurs von 38 Dollar am 18. Mai. mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6280,8  [-116.04 -1,81%
  Dow Jones 12419,86  [-160.83 -1,28%
  Nasdaq Composite 2837,36  [-33.63 -1,17%
  Euro Stoxx 50 2116,18  [-44.13 -2,04%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote