Das Netz von 50 Hertz Transmission deckt nahezu ein Drittel der Fläche der Bundesrepublik ab. Das Unternehmen betreibt knapp 10.000 Kilometer Leitungen und versorgt insgesamt 18 Millionen Einwohner, darunter auch den Großraum Hamburg. Die Region bezog ihren Strom früher von knapp einem halben Dutzend Großkraftwerken. Nach der Schließung der Atommeiler Krümmel und Brunsbüttel ist nur noch Brokdorf übrig. Das Kohlekraftwerk Moorburg geht wegen technischer Probleme voraussichtlich erst 2014 in Betrieb.
Die Warnung konkretisiert erstmals die Blackout-Gefahr in Deutschland. Dass sie von einem Netzbetreiber kommt, ist ungewöhnlich. Zwar haben die Unternehmen ein Eigeninteresse, die Dringlichkeit von Investitionen zu unterstreichen, um höhere Netzentgelte durchzusetzen.
Wie akut die Gefahr wirklich ist, zeigen jedoch konkrete Pläne. So hat der Betreiber in seinem Vertrag mit einem Großkunden - der Aluminiumschmelze Trimet - erstmals mögliche Notabschaltungen bis zu einer Stunde vereinbart. Die Hütte verschlingt mit 400 Megawatt fast ein Drittel der Brokdorf-Leistung. Reicht die Abschaltung nicht, um das Netz zu stabilisieren, soll die Bevölkerung aufgerufen werden, Strom zu sparen - etwa mittags keine Wäsche mehr zu waschen.
Das Szenario widerspricht den jüngsten Aussagen des Chefs der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. Dieser hatte kürzlich die Blackout-Befürchtungen gedämpft: "Ich denke, es müsste gut gehen." Letzte Sicherheit gebe es nicht, räumte er ein. Jochen Patt, Referent der Behörde, bezeichnete die Situation auf einer Tagung am Montag in Berlin als angespannt. Zwar sei schon viel unternommen worden, dennoch brauche man einen "Sicherheitspuffer, um für extreme Situationen gewappnet zu sein" - etwa einen gleichzeitigen Ausfall von Leitungen, Trafos und Kraftwerken.