Serge Brunschwig
Dies kündigte Louis-Vuitton-Geschäftsführer Serge Brunschwig im FTD-Interview an. "Wir wissen, dass unsere Geschäftsfilialen nicht immer günstig für unsere Kunden liegen. Wenn Sie auf Korsika leben, haben Sie dann aber über das Internet Zugriff auf unsere Kollektion", so Brunschwig. Das Unternehmen werde noch in diesem Jahr einen Pilotversuch in Frankreich starten, bevor der Internet-Handel dann auf ganz Europa ausgeweitet werden könne.
Bislang galten Luxus und Internet lediglich auf dem US-Markt als miteinander vereinbar: Louis Vuitton vertreibt seine edlen Taschen, Kleider und Uhren hier bereits seit fünf Jahren über den hauseigenen Online-Retailer "ELuxury", auch andere Luxus-Häuser wie Gucci und Tiffany bieten in den USA elektronisch ihre Waren an. "In Europa hat man mit so etwas kaum Erfahrung", sagt Christian Schindler, Konsum-Analyst von der Landesbank Rheinland- Pfalz. "Die meisten Kunden gehen ins Internet, um nach Schnäppchen zu suchen. Und die kriegen sie bei den Top-Brands nicht." Tatsächlich schließt Louis Vuitton Kunden-Rabatte im Internet kategorisch aus: "Wir sind nicht preisgetrieben und müssen daher keine Rabatte geben", sagte Brunschwig.
Skeptische Experten
Experten sind dennoch skeptisch: "Der Käufer braucht hier das Vertrauen und das persönliche Gespräch", meint Sirko Siemssen von Mercer Management Consulting. "Daher kann ich mir das Internet als Informations- und Marketingplattform für Luxusprodukte vorstellen, aber nur schwer als Verkaufskanal."
Dennoch: Trotz aller Berührungsängste dürften auch die Luxusmacher auf kurz oder lang nicht ohne ein Standbein im E-Commerce auskommen. Louis Vuitton könnte zum Trendsetter werden: Die Traditionsmarke ist das Filetstück im weit verzweigten Portfolio des französischen Luxus-Weltmarktführers LVMH (Louis Vuitton Moet Hennessy). Bei einer operativen Gewinnmarge von über 40 Prozent hat Louis Vuitton dem Mutterhaus zuletzt rund die Hälfte seines Jahresumsatzes von 12,62 Mrd. Euro eingefahren.
Enge Flaniermeilen
Rund 1700 Filialen unterhalten die Franzosen weltweit - und eröffnen jedes Jahr etwa 15 neue Geschäfte. Dabei sind die Möglichkeiten der Expansion längst nicht ausgereizt: Da sind zum einen ländliche Regionen, die die Luxushersteller nicht durch Geschäfte abdecken können. Auf der anderen Seite wird es in den feinen Flaniermeilen der Weltmetropolen immer enger - und teurer. "Die Expansion geht weiter, aber es fehlt an Flächen", sagt Doris Behrle vom Immobilienmakler Jones Lang LaSalle. Gleichzeitig steigen die Preise: In Frankfurt, wo Louis Vuitton in der vergangenen Woche seine Verkaufsfläche kräftig erweiterte, werden Spitzenmietpreise von bis zu 210 Euro pro Quadratmeter erzielt.
Die Luxusbranche hat keine Wahl: Aus Imagegründen kommen für sie nur die teuersten Standorte in Frage. Oder eben das Netz - wenn es denn zum elitären Selbstverständnis passt. Zuletzt hatte ein italienischer Wettbewerber aus dem oberen Luxussegment einen Testversuch im Online-Verkauf gemacht - und das Projekt nach FTD-Informationen rasch wieder beerdigt. "Luxus ist voller Emotionen", heißt es zur Begründung aus Kreisen des Unternehmens in Mailand. "Und die kriegen sie nicht per Mausklick in Ihr Leben."