Die Initiative "Bürgerbahn statt Börsenbahn" kritisierte am Dienstag in Berlin, die Bahn wolle mit ihrem neuen Preissystem dem Flugzeug Konkurrenz machen. Sie konkurriere nicht mit ihrem tatsächlichen Wettbewerber, dem Auto, erklärte die elfköpfige Gruppe.
Initiativen-Mitglied und Ex-Bahn-Manager Karl-Dieter Bodack forderte, dass die geplanten Preisnachlässe wie bislang auch für spontan Reisende gelten sollten. "Darauf zu setzen, dass die traditionelle Kundschaft Hin- und Rückfahrt Zug-genau plant, ist wirklichkeitsfremd", heißt es in den Vorschlägen der Experten. Die Bahn verspiele so entscheidende Systemvorteile, wie zum Beispiel die Flexibilität. Bahncard-Nutzer sollten weiterhin mindestens 50 Prozent Rabatt bekommen.
Nach der für Herbst 2002 geplanten Tarifreform der Bahn soll der Preis für die Bahncard auf 60 Euro gesenkt werden. Sie würde den Fahrpreis dann nur noch um 25 Prozent verbilligen, statt wie bisher um 50 Prozent. Der Kunde könnte den Fahrpreis weiter drücken, indem er zu wenig frequentierten Zeiten fährt und seine Reise einen, drei oder sieben Tage im Voraus bucht. Gruppen- und Familienrabatte sollen hinzukommen. Derzeit gültige Rabatte wie das "Guten Abend-Ticket" listet die Bahn im neuen Preissystem nicht mehr auf.
Laut Initiative plant die Bahn die Stilllegung von weiteren Strecken und Bahnhöfen. Dies nannte Heiner Monheim, Stadtplaner aus Trier, "das i-Tüpfelchen" auf fünf Jahren Rückzugsstrategie aus dem Wettbewerb. Stattdessen plädierte er für einen Ausbau des Schienennetzes und für den Erhalt des einheitlichen Grundpreises pro Kilometer. Der bisher entfernungsabhängige Aufpreis beim ICE sollte ebenfalls vereinheitlicht werden.
Zudem schlagen die Fachleute die Einführung einer Jahres-Netzkarte für den Preis von 2000 bis 2500 Euro vor. "In der Schweiz läuft dieses Modell sehr erfolgreich", hieß es. In Deutschland gebe es nur ein sehr teures Angebot für Geschäftsleute.