Die Brandschutz-Probleme am Hauptstadtflughafen haben den Aufsichtsrat des Betreibers schon "seit längerem" beschäftigt. Das sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als Vorsitzender des Kontrollgremiums am Donnerstag in seiner Regierungserklärung im Berliner Abgeordnetenhaus. Er verwies auf in Zeitungen abgedruckte Sitzungsprotolle, die bis zum Dezember 2011 zurückreichen.
"Ja, das war bekannt, aber es hat nicht zum K.O.-Schlag geführt. Die Auffassung war, dass das zu klären ist", sagte Wowereit. So sei klar gewesen, dass die Anlage nicht voll automatisiert in Betrieb gehen würde, sondern zunächst teilautomatisch. Noch am 20. April sei der Eröffnungstermin 3. Juni im Aufsichtsrat als nicht gefährdet eingestuft worden.
Die Eröffnung war am Dienstag abgeblasen worden. Es sei klar geworden, dass die notwendigen Vorprüfungen für die Abnahme durch die Behörden nicht mehr rechtzeitig abgeschlossen werden können, sagte der Regierungschef. Viele Menschen und Unternehmen hätten sich auf die Eröffnung am 3. Juni verlassen und seien nun enttäuscht, fügte Wowereit hinzu. "Dafür möchte ich mich im Namen der Flughafengesellschaft entschuldigen." Wowereit bekannte: "Da ist Glaubwürdigkeit verloren gegangen."
Er sagte eine Schadensminimierung zu, auch jenseits von rechtlichen Ansprüchen - etwa für Gewerbetreibende an den Flughäfen. Hier werde es Härtefallregelungen geben. Jetzt müsse ein "belastbarer" Eröffnungstermin festgelegt werden, forderte Wowereit.
Wegen der Verzögerung bei der Eröffnung des neuen Berliner Flughafens kommen auf die Anwohner des alten Airports Tegel möglicherweise noch größere Belastungen zu als bisher. Air Berlin als wichtigster Kunde dringt darauf, das dortige Nachtflugverbot einzuschränken. Es solle nur noch von Mitternacht bis 5 Uhr gelten - so wie es auch am neuen Flughafen geplant ist, fordert das Unternehmen.
Hintergrund sind die Kapazitätserweiterungen, die Air Berlin und Konkurrent Lufthansa mit dem Start des neuen Großflughafens beabsichtigen. Tausende Tickets wurden verkauft, die Unternehmen müssen jetzt aber mit der alten Infrastruktur die geplanten Flüge abarbeiten.
Die Fluggesellschaften arbeiten nun daran, ihr größeres Angebot am überlasteten Flughafen Tegel unterzubringen. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn schrieb an Flughafenchef Rainer Schwarz: "Schon heute bitten wir Sie dringend zu prüfen, für diese Übergangsphase bei der Verlängerung von Tegel die Öffnungszeiten des Flughafens morgens und abends um je eine Stunde zu verlängern." So könne die Drehkreuzstruktur für Umsteigeverbindungen ordnungsgemäß abgewickelt werden, heißt es in dem auf den 9. Mai datierten Brief, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.
Einen neuen Eröffnungstermin für den Airport Berlin-Brandenburg gibt es noch nicht. Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatten am Dienstag gefordert, dass noch im August die ersten Maschinen vom Großflughafen abheben. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums mahnte am Donnerstag: "Es geht um einen realistischen und umsetzbaren Termin." Flughafen-Chef Schwarz sprach sich gegen politisch gewünschte Termine aus, die technisch nicht machbar seien.