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Merken   Drucken   20.02.2012, 20:23 Schriftgröße: AAA

Flughafenstreik: Hausmeisteraufstand in Frankfurt

Leitartikel Eine Spartengewerkschaft nutzt ihre Macht rücksichtslos zum eigenen Vorteil. Der Streik ist eine teure Quittung für den Flughafenbetreiber, aber auch für Arbeitnehmerorganisationen.
Man stelle sich vor, dass der Hausmeister einer Fabrik die komplette Produktion stoppt: indem er es einfach morgens unterlässt, das Firmentor aufzuschließen, weil er meint, zu wenig Geld zu verdienen. So in etwa verhält es sich momentan mit dem Streik einiger Mitarbeiter des Frankfurter Flughafens. Hunderte Flüge sind seit Beginn der Arbeitsniederlegungen Ende letzter Woche ausgefallen. Und das nur, weil eine kleine, fast völlig unbekannte Berufsgruppe der Meinung ist, dass ihre Lohnforderungen erfüllt werden sollen.
Wie konnte das passieren? Wie kann es sein, dass etwa 200 Vorfeldkontrolleure, Einweiser und Disponenten, die den reibungslosen Verkehr auf dem Rollfeld des Flughafens gewährleisten, eine solch unverhältnismäßige Macht besitzen und willens sind, sie rücksichtslos zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen?
Die Rollfeldmitarbeiter in Frankfurt sind die Herren über einen im Vergleich zum gesamten Gefüge des Betriebs winzigen, aber entscheidenden Bereich. Arbeitgeberverbände kritisieren scharf, dass diese und andere kleine Berufsgruppen das Missverhältnis zwischen eigentlicher Tätigkeit und tatsächlicher Macht nutzen. Sie warnen vor zukünftigen Entwicklungen - heute die Vorfeldmitarbeiter, morgen dann die Ärzte und übermorgen auch die Feuerwehren.
Doch dass eine Gewerkschaft wie die Gewerkschaft der Flugsicherheit (GdF) diese Macht missbraucht, hat eine Vorgeschichte - und an der sind Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen gleichermaßen schuld.
Die eine Seite, in diesem Fall die Flughafenbetriebsgesellschaft Fraport, hat die Unruhe an der Basis der Mitarbeiter zu lange ignoriert. Dafür bekommt sie jetzt die teure Quittung - eine Spartengewerkschaft, die mit aller Rücksichtslosigkeit Sonderinteressen durchsetzt. Gewerkschaften ihrerseits haben in Tarifverhandlungen die Interessen spezieller Berufsgruppen ebenfalls nicht erkannt - und müssen nun zusehen, wie kleine, aber mächtige Organisationen wie die GdF das friedliche Gefüge der deutschen Tariflandschaft erschüttern. Seitdem wird wieder der Ruf nach der alten Ordnung der Tarifeinheit laut - ein Betrieb, eine Gewerkschaft. Doch dass die Regierungskoalition dafür ein Gesetz einbringt, ist derzeit unwahrscheinlich - die FDP stemmt sich dagegen.
Es bleibt also nur stummes Leiden - und Hoffen. Denn mit exorbitanten Forderungen von bis zu 70 Prozent mehr Lohn macht sich die GdF zwar bei den 200 Mitarbeitern Freunde. Doch die maßlose und von üblichen Parametern wie Preis- und Produktivitätsanstieg völlig losgelöste Forderung dürfte bei einem anderen Akteur zu wachsendem Ärger führen - bei der Bevölkerung. Deren Rückhalt braucht eine Gewerkschaft aber, will sie langfristig erfolgreich sein.
  • Aus der FTD vom 21.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 21.02.2012 18:53:00 Uhr   Mauritius: Hausmeisteraufstand

    Ganz zu Anfang: Ich war Unternehmerin und noch nie in einer Gewerkschaft. Ich bin auch kein Mitglied irgendeiner Partei, schon gar
    nicht einer Linkspartei.
    Hallo, Herr Jounalist, wie hoch ist ihr Gehalt und welcher Chef verlangt von Ihnen, so häßlich über andere Arbeitnehmer zu
    schreiben? Wie hoch ist eigentlich der Betrag, den Herr Hundt pro Jahr insgesamt einfährt, ob er ihn tatsächlich verdient hat,
    kann ich nicht beurteilen. Mit welchen Sponsorengeldern kam eigentlich Herr Göhner auf seinen Listenplatz
    und jetzt auf die Stelle, die er innehat? Ganz ohne?
    Die kleinen Leute, die ihre Gesundheit riskieren (gibt es eigentlich überwachte MAK-Werte für Kerosin und andere Abgase auf dem
    Vorfeld?) und eine sehr verantwortungsvolle Arbeit im Schichtsystem machen, die sollen mal schuften und die Klappe halten, damit
    die Aktionäre richtig gut verdienen, nicht wahr? Was ist bloß aus diesem ehemaligen Sozialstaat geworden? Eine korrupte
    Gesellschaft. Man sieht es am abgetretenen Bundespräsidenten - und der soll dann noch 200 000 pro Jahr weiterkriegen. Und die Damen
    und Herren Abgeordneten?? Sie erhöhen sich ständig ihre ohnehin schon üppigen Diäten - und es geht kein Schrei durch den
    Blätterwald?
    Da wollen ein paar Leute einfach nur das Geld, was ihnen von ihrer Leistung zusteht - weil sie nämlich schon jahrelang chronisch
    unterbezahlt geschuftet haben - und da wird auf denen herumgehackt - von allen Seiten. Selbst Gewerkschafter fallen ihnen in den
    Rücken, pfui Teufel! Ach ja, die Herren Vorstände wünschen eine Einheitsgewerkschaft, ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
    Im Übrigen kann nicht jeder Manager werden ("Es kann nicht nur Erfolgreiche geben, wir brauchen auch Leute, die arbeiten.")
    Und ob ein Manager mit einem Flugzeug fliegen möchte, wenn er weiß, dass das Flugfeld nicht ordentlich kontrolliert wurde (weil
    jetzt alle Arbeiter Manager geworden sind...) bleibt auch noch dahingestellt.
    Um den sozialen Frieden zu wahren, den wir alle brauchen, ist es erforderlich, dass Gerechtigkeit herrscht und dass man von seiner
    Hände Arbeit leben kann. Und man braucht eben nicht nur Professoren und Manager, man braucht auch die vielen anderen, die
    oft genug eine Dreckarbeit machen. Ich achte diese Menschen alle, denn ich bin auch auf ihre sorgfältige und loyale Arbeit
    angewiesen. Und auch denen steht ein ordentliches Gehalt zu. Woher nehmen Herr Hundt und Herr Göhner und alle diese Typen bloß ihre
    Arroganz? Sind sie schon so weit abgehoben, dass sie keine Ahnung mehr haben, was sich "unten" abspielt?
    Sie wollen jetzt ein Exempel statuieren, damit sich bloß nicht noch so eine Gruppe traut, mehr Geld zu fordern.
    Mir kommt das vor wie eine Hexenjagd.
    Damit sowas nicht wieder passiert, man hatte anderswo ja auch schon Probleme, mit Lokführern oder mit
    Piloten.
    Aber es soll ja immer noch Unternehmen geben, die anständig mit ihren Mitarbeitern umgehen, mittelständische, Familienunternehmen.

  • 21.02.2012 17:11:30 Uhr   joe1881: Schuss nach hinten
  • 21.02.2012 13:39:16 Uhr   Marco: Vergleich mit Managern
  • 21.02.2012 13:08:01 Uhr   Fischblase: Da wird der Spieß mal umgedreht
  • 21.02.2012 13:06:01 Uhr   Palatin: Es wird bald andere Einweiser geben ...
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