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Merken   Drucken   25.09.2012, 21:00 Schriftgröße: AAA

Formel 1: Ecclestone zweifelt an Zukunft des Nürburgrings

Der Formel-1-Chef hat sich mit den Pächtern der Strecke noch nicht über das nächste Rennen einigen können. Bald läuft eine wichtige Frist aus.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Jens Büttner
Exklusiv Der Formel-1-Chef hat sich mit den Pächtern der Strecke noch nicht über das nächste Rennen einigen können. Bald läuft eine wichtige Frist aus.
von Christian Sylt, London

Ob der Große Preis von Deutschland am 21. Juli 2013 wie angekündigt auf dem Nürburgring stattfindet, ist ungewiss. Es gebe noch keine Einigung mit dem finanziell angeschlagenen Rennstreckenbetreiber, sagte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone der FTD. "Mit dem Nürburgring haben wir keinen Vertrag, aber wir führen Gespräche. Da müssten wir ganz von vorn anfangen", sagte er. Eigentlich wäre die Rennstrecke im kommenden Jahr wieder dran: Der Nürburgring war zuletzt 2011 Ausrichter, 2012 dann der Hockenheimring - und bislang wechselten sich die beiden Rennstrecken als Austragungsort ab.

Die Zeit drängt: Am Freitag legt der für die Formel 1 zuständige World Motor Sport Council des internationalen Dachverbands Fia den endgültigen Rennkalender für 2013 fest. Der Austragungsort kann zwar nach Ansicht mancher Beteiligter final auch später noch festgelegt werden. Ecclestone betonte jedoch: "Die letzte Frist läuft bald ab."

Für die Betreiber wäre eine Absage nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch aus Imagegründen ein Rückschlag. Anfang August hatten die Pächter Jörg Lindner und Kai Richter mit Veranstalter Marek Lieberberg vereinbart, dass das bekannte Festival Rock am Ring weiterhin stattfinden soll. Damals hatten sie sich zuversichtlich geäußert, sich noch im Laufe des Augusts auch mit Ecclestone einigen zu können. "Wir befinden uns in Gesprächen und sind guter Dinge", sagte ein Sprecher am Dienstag über die Gespräche mit dem Formel-1-Chef.

Die Betreiberfirma hatte im Sommer durch die Insolvenz der vom Land Rheinland-Pfalz dominierten Besitzgesellschaft des Nürburgrings einen schweren Rückschlag erlitten. Die landeseigene Gesellschaft habe Schwierigkeiten, einen über 300 Mio. Euro schweren Kredit zurückzuzahlen, den sie 2009 zur Finanzierung großer Umbauprojekte aufgenommen hatte, musste die Regierung von Ministerpräsident Kurt Beck einräumen.

Die Formel 1 ist das jährliche Sportereignis mit den höchsten Einschaltquoten: 515 Millionen Zuschauer waren es 2011. Die Ausrichtung kostet jedoch Geld. In der Vergangenheit kassierte Ecclestone 13 Mio. Euro, damit er seinen Rennzirkus in die Eifel bringt. Wie viel die Besitzer und Betreiber im Gegenzug erlösen, ist nicht bekannt. Künftig sei allerdings davon auszugehen, dass das Rennen am Hockenheimring bleibe, sagte Ecclestone. "Hockenheim schauen wir uns einfach jedes Jahr an." Zu der Zukunft des Rivalen äußerte er sich indes skeptisch: "Ich habe keine Ahnung, wie lange es den Nürburgring noch gibt. Ohne staatliche Unterstützung wird es sofort schwierig."

Unterdessen kündigte er an, nach dem jüngsten Erfolg der Olympischen Spiele darüber nachzudenken, spezielle Formel-1-Rennen zu organisieren, die nur alle paar Jahre stattfinden. Die Eröffnungsfeier lockte geschätzte 900 Millionen Menschen vor die Fernsehgeräte, der 100-Meter-Lauf sogar zwei Milliarden. Ecclestone glaubt, das liegt daran, dass das Ereignis so selten ist. "Die Zeitungen sorgten für einen massiven Hype, und selbst ich habe mir viel davon im Fernsehen angesehen." Der Hype fehle der Formel 1: "Vielleicht hätten wir ihn, wenn es nur alle vier Jahre ein Rennen gäbe. Ich habe schon darüber nachgedacht, fünf Einzelrennen zu organisieren, wie der Grand Slam im Tennis." Es ist offen, ob der Plan jemals umgesetzt wird - und ob er dem Nürburgring irgendwie helfen könnte.


Fest im Fahrersitz?

Zukunftspläne Der 82-jährige Ecclestone hat nach eigenen Angaben keine Absicht, sein Amt als Formel-1-Chef in naher Zukunft niederzulegen. "Ich denke zwar daran, in den Ruhestand zu treten, aber ich werde es nicht tun. Was würde ich machen? Es ergibt keinen Sinn." Dabei steht der Manager wegen des Bestechungsskandals um den Ex-BayernLB-Banker Gerhard Gribkowsky in der Kritik: Dieser war im Juni zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er zugegeben hatte, Ecclestone beim Formel-1-Verkauf eine Provision in Höhe von 66 Mio. Dollar zugeschanzt zu haben, von der 44 Mio. Dollar heimlich wieder an ihn zurückgeflossen sind. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, auch die BayernLB prüft ihre Ansprüche Es sei in dieser Sache ruhig geworden, behauptete hingegen Ecclestone.

  • Aus der FTD vom 26.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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