Die Schifffahrtslinien seien von dem deutlich schwächeren Nachfragewachstum in Europa überrascht worden, sagte NOL-Chef Ron Widdows am Dienstag in Singapur. Die Frachtraten seien "abgrundtief gestürzt".
Nachdem der Verkehr zwischen Asien und Europa im Vorjahr noch um fast 20 Prozent zugelegt hatte, rechnen Beobachter jetzt nur noch mit 6 Prozent. "Man kann mit Sicherheit sagen, dass es keine Gesellschaft gibt, die auf dieser Strecke derzeit kein Geld verliert", sagte Widdows.
NOL sei keine Ausnahme. Die Kernfrachtraten, ohne Zuschläge für Treibstoff, hätten sich in den vergangenen Monaten auf rund 1000 $ halbiert.
NOL ist im Transpazifikgeschäft und innerhalb Asiens gut aufgestellt. Hingegen gehören Verbindungen von Europa in Richtung Asien, ebenso wie die Strecken über den Atlantik, zu den Stärken von Hapag-Lloyd.
Auf Druck von Großaktionären hatte der Mutterkonzern
TUI die Reederei zum Verkauf gestellt. Neben NOL ist noch ein Hamburger Konsortium um die Privatbank M.M. Warburg und den Speditionsunternehmer Klaus-Michael Kühne im Rennen. Der Wert des Deals wird in der Branche auf 3 bis 4 Mrd. Euro geschätzt.
Zwar könne die schlechte Prognose Hapag besonders treffen, sagte Widdows. An der Logik eines Zusammenschlusses rüttle sie jedoch nicht: "Wir ergänzen uns perfekt. Gemeinsam wären Hapag und APL Marktführer auf der Transpazifikroute und auf den Strecken von Europa nach Mexiko, in die USA und nach Kanada." Zudem ließen sich Synergien besser ausschöpfen. Im innerasiatischen Verkehr ist NOL die Nummer zwei, zwischen Europa und Asien würden beide zum viertgrößten Anbieter.