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Merken   Drucken   16.08.2011, 11:21 Schriftgröße: AAA

Frust beim Schienenkonzern: Weniger Zentralismus bei der Bahn

Leitartikel Fast alle Mitarbeiter bei der Bahn sind frustriert - ein Riesenproblem für den Konzern. Mit Marketing kann wird das Unternehmen das nicht in den Griff bekommen: Die Bahn muss ihren Angestellten wieder mehr zutrauen.
"Die wichtigste Ressource des DB-Konzerns sind seine Mitarbeiter" - so steht das zumindest auf der Internetseite der Bahn. Was aber jetzt in einer konzerneigenen Umfrage herauskam, lässt Zweifel aufkommen am Umgang mit dieser wertvollen Ressource. Nahezu 70 Prozent der Bahn-Mitarbeiter sind frustriert am Arbeitsplatz.
Viele stöhnen über bürokratische Abläufe, zentralistische Strukturen, rüde Umgangsformen, fehlende Flexibilität und mangelnde Entscheidungsfreiheit.
Die wichtigste Ressource des DB-Konzerns sind seine Mitarbeiter   Die wichtigste Ressource des DB-Konzerns sind seine Mitarbeiter
Hinzu kommt, dass das negative Image der Bahn in der Öffentlichkeit auch nicht unbedingt zur Mitarbeiterzufriedenheit beiträgt. Die Bahn-Mitarbeiter sind immer die Ersten, die den geballten Ärger von Reisenden abbekommen, wenn wieder einmal Züge verspätet oder überfüllt sind oder ausfallen, wenn Klimaanlagen nicht funktionieren oder sich lange Schlangen vor Fahrkartenschaltern bilden. Selbst wenn die Bahn nicht an allen Übeln des Schienenverkehrs Schuld trägt - im Zweifel sind Bahn-Mitarbeiter die Blitzableiter der Zugreisenden.
Mit Marketingmaßnahmen sind die Probleme der Bahn in Sachen Außen- und Innenwahrnehmung aber nicht in den Griff zu bekommen. Das hat auch das Management erkannt. Für die Mitarbeiter gibt es deshalb Regionalkonferenzen, auf denen sie ihren Frust artikulieren können und gemeinsam mit dem Management nach Lösungen gesucht wird. Ein Problemlösungsversuch für Gefrustete, den man schon aus der Politik kennt und der dort nur mäßig erfolgreich ist (siehe Angela Merkel und die CDU).
Es wird Zeit, Konsequenzen aus den bereits gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen. Eine Erkenntnis ist: Die im Zuge des geplanten Börsengangs vom einstigen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn vorangetriebene Zentralisierung hat zwar zunächst die Kosten reduziert, erweist sich aber im operativen Alltag immer mehr als bürokratisches Monstrum. So passierte es, dass der Bahn-Vorstand in Berlin die Einstellung von zwei Lokführern irgendwo in der Provinz abnickte. Wenig sinnvoll ist es auch, die Budgetgrenzen etwa von Bahn-Managern in der Region so niedrig zu halten, dass diese sich bei jeder kleinen Ersatzbeschaffung nach oben hin absichern müssen. Etwas mehr Vertrauen in die Mitarbeiter vor Ort kann da nur helfen - zumal bei einem Dienstleistungsunternehmen, das so lokal und so zeitnah auf die Bedürfnisse seiner Kunden eingehen muss wie die Deutsche Bahn.
Auch auf der Seite der Arbeitnehmervertreter gibt es Handlungsbedarf: Wenn tatsächlich eine qualifizierte Mehrheit der Beschäftigten so gefrustet ist wegen ihrer Arbeitsbedingungen, dann wird es Zeit, dass die sonst so rührigen und lautstarken Interessenvertreter mal diese Probleme konkret angehen. Nicht nur die Bahn-Mitarbeiter würden es ihnen danken - auch die Reisenden.
  • Aus der FTD vom 16.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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