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Merken   Drucken   12.12.2011, 08:31 Schriftgröße: AAA

FTD-Interview: Post fürchtet besseres Rating

Der Konzern hortet Milliarden - und es kommt ständig neues Bargeld dazu. Das könnte das Kreditrating verbessern. Post-Finanzchef Rosen erklärt im Gespräch mit der FTD, warum er unbedingt vermeiden will, was vielen Euro-Staaten nur recht wäre.
© Bild: 2011 FTD.de/Deutsche Post AG
Der Konzern hortet Milliarden - und es kommt ständig neues Bargeld dazu. Das könnte das Kreditrating verbessern. Post-Finanzchef Rosen erklärt im Gespräch mit der FTD, warum er unbedingt vermeiden will, was vielen Euro-Staaten nur recht wäre. von Claudia Wanner, Singapur
Die Deutsche Post  sieht sich trotz aller Sorgen um die weltweite Konjunktur mit einer Situation konfrontiert, um die sie mancher Euro-Staat beneiden würde: Sie könnte bald mehr Barmittel haben, als sie eigentlich braucht. Halte der Trend der vergangenen Quartale an, "würde uns das mittelfristig in eine Position bringen, in der wir über überschüssige Liquidität verfügen", sagte Larry Rosen, Finanzvorstand des Konzerns, der FTD.
Damit steht die Post vor einem Luxusproblem. Der Konzern hatte per Ende September Barmittel von 2,8 Mrd. Euro und einen operativen Cashflow von 1,1 Mrd. Euro. Darüber hinaus ist Bargeld eher unerwünscht, da es die Post in eine bessere Ratingkategorie katapultieren würde. Derzeit wird der Konzern etwa von der Agentur Standard & Poor's mit "BBB+" bewertet. Damit fühle die Post sich wohl, es spiegele eine angemessene Bilanzstruktur wider, sagte Rosen.
Barmittel aus dem laufenden Geschäft   Barmittel aus dem laufenden Geschäft
Anders als für die Staaten der Euro-Zone ist für Konzerne ein besseres Rating ab einem gewissen Niveau nicht unbedingt erwünscht. Zwar sichert die bessere Bewertung eine günstigere Finanzierung. Doch die Liquidität muss dann ständig vorgehalten werden, um das bessere Rating zu sichern. Das Geld könnte nicht investiert werden; andernfalls würde eine Rückstufung drohen.
In den vergangenen Jahren musste die Post einen großen Teil ihres Cashflows zur Finanzierung der Restrukturierung einsetzen. Der Konzern hat sich seit dem Amtsantritt von Vorstandschef Frank Appel 2008 von einer Reihe verlustträchtiger Geschäfte getrennt, unter anderem dem inländischen Paketgeschäft in den USA, in Frankreich, Großbritannien und China. Die Restrukturierung sei abgeschlossen, betonte das Management zuletzt wiederholt. In den vergangenen Quartalen hat der Konzern glänzende Ergebnisse vorgelegt und die Gewinnprognose für 2011 im November auf mehr als 2,4 Mrd. Euro leicht angehoben. Auch für das kommende Jahr gab Rosen sich optimistisch.
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Die starke Finanzposition des Konzerns weckt allerdings bei den Mitarbeitern in Deutschland Begehrlichkeiten. Die Gewerkschaft Verdi forderte am Freitag sieben Prozent mehr Lohn für die 130.000 Tarifbeschäftigten. Die Verhandlungen starten am Montag. Rosen zeigte sich zuversichtlich, eine zufriedenstellende Lösung zu finden.
Der 54 Jahre alte US-Amerikaner, der seit 2009 das Finanzressort der Post leitet, hat andere Verwendungen für den hohen Barbestand im Kopf. Über eine Sonderdividende könnte ein Teil an die Aktionäre zurückfließen. Außerdem stehen die Finanzierung der Pensionsverpflichtungen, Investitionen ins laufende Geschäft sowie Zukäufe auf dem Programm. Infrage kämen aber lediglich kleinere, ergänzende Akquisitionen, denn der Konzern sei gut aufgestellt. "Zukäufe machen immer dann Sinn, wenn es Lücken im strategischen Portfolio zu füllen gilt. Das ist bei DHL nicht der Fall. Auf unserer Landkarte gibt es keine weißen Flecken", gab sich Rosen selbstbewusst. Selbst im erst seit Juli unabhängigen Südsudan ist DHL mit einer Express- und einer Speditionsniederlassung vertreten.
Während die Sorgen um die Euro-Zone und Nordamerika sowie eine möglicherweise harte Landung des langjährigen Wachstumsgaranten China die Volkswirte umtreiben, ist Rosen zuversichtlich. Die Logistik gilt als Frühindikator der Konjunktur. Einige Wettbewerber hatten in den vergangenen Wochen die Erwartungen gedämpft. Nicht so die Post: "Wir rechnen nicht mit einer globalen Rezession", sagte der Manager, der vor 17 Jahren für den damaligen Chemiekonzern Hoechst nach Deutschland kam und fließend Deutsch spricht. In Europa erwarte er zwar nur ein geringes Wachstum, für die Weltwirtschaft aber ein Plus von rund 3,5 Prozent.
"Wir sehen eine leichte Abschwächung bei den Volumina im See- und Luftfrachtbereich", sagte Rosen. Expressgeschäft und Kontraktlogistik würden jedoch weiter solide wachsen. Deshalb investiere der Konzern in den Ausbau der Infrastruktur, etwa 175 Mio. Dollar für ein neues Luftfrachtzentrum in Schanghai, das im zweiten Quartal 2012 eröffnet wird. Vor allem in das brummende Asien-Geschäft steckt DHL kräftig Geld für neue, größere Flugzeuge und neue Verbindungen - etwa nach Afrika und Südamerika. Im Expressgeschäft mit zeitkritischen Sendungen, das 2,9 Mrd. Euro zu den Konzernerlösen beisteuert, entfällt mittlerweile die Hälfte des Umsatzes auf Asien.
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  • Aus der FTD vom 12.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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