Der Konzern hortet Milliarden - und es kommt ständig neues Bargeld dazu. Das könnte das Kreditrating verbessern. Post-Finanzchef Rosen erklärt im Gespräch mit der FTD, warum er unbedingt vermeiden will, was vielen Euro-Staaten nur recht wäre. von Claudia Wanner, Singapur
Die Deutsche Post sieht sich trotz aller Sorgen um die weltweite Konjunktur mit einer Situation konfrontiert, um die sie mancher Euro-Staat beneiden würde: Sie könnte bald mehr Barmittel haben, als sie eigentlich braucht. Halte der Trend der vergangenen Quartale an, "würde uns das mittelfristig in eine Position bringen, in der wir über überschüssige Liquidität verfügen", sagte Larry Rosen, Finanzvorstand des Konzerns, der FTD.
Damit steht die Post vor einem Luxusproblem. Der Konzern hatte per Ende September Barmittel von 2,8 Mrd. Euro und einen operativen Cashflow von 1,1 Mrd. Euro. Darüber hinaus ist Bargeld eher unerwünscht, da es die Post in eine bessere Ratingkategorie katapultieren würde. Derzeit wird der Konzern etwa von der Agentur Standard & Poor's mit "BBB+" bewertet. Damit fühle die Post sich wohl, es spiegele eine angemessene Bilanzstruktur wider, sagte Rosen.
Barmittel aus dem laufenden Geschäft
Anders als für die Staaten der Euro-Zone ist für Konzerne ein besseres Rating ab einem gewissen Niveau nicht unbedingt erwünscht. Zwar sichert die bessere Bewertung eine günstigere Finanzierung. Doch die Liquidität muss dann ständig vorgehalten werden, um das bessere Rating zu sichern. Das Geld könnte nicht investiert werden; andernfalls würde eine Rückstufung drohen.
In den vergangenen Jahren musste die Post einen großen Teil ihres Cashflows zur Finanzierung der Restrukturierung einsetzen. Der Konzern hat sich seit dem Amtsantritt von Vorstandschef Frank Appel 2008 von einer Reihe verlustträchtiger Geschäfte getrennt, unter anderem dem inländischen Paketgeschäft in den USA, in Frankreich, Großbritannien und China. Die Restrukturierung sei abgeschlossen, betonte das Management zuletzt wiederholt. In den vergangenen Quartalen hat der Konzern glänzende Ergebnisse vorgelegt und die Gewinnprognose für 2011 im November auf mehr als 2,4 Mrd. Euro leicht angehoben. Auch für das kommende Jahr gab Rosen sich optimistisch.
Die starke Finanzposition des Konzerns weckt allerdings bei den Mitarbeitern in Deutschland Begehrlichkeiten. Die Gewerkschaft Verdi forderte am Freitag sieben Prozent mehr Lohn für die 130.000 Tarifbeschäftigten. Die Verhandlungen starten am Montag. Rosen zeigte sich zuversichtlich, eine zufriedenstellende Lösung zu finden.
Der 54 Jahre alte US-Amerikaner, der seit 2009 das Finanzressort der Post leitet, hat andere Verwendungen für den hohen Barbestand im Kopf. Über eine Sonderdividende könnte ein Teil an die Aktionäre zurückfließen. Außerdem stehen die Finanzierung der Pensionsverpflichtungen, Investitionen ins laufende Geschäft sowie Zukäufe auf dem Programm. Infrage kämen aber lediglich kleinere, ergänzende Akquisitionen, denn der Konzern sei gut aufgestellt. "Zukäufe machen immer dann Sinn, wenn es Lücken im strategischen Portfolio zu füllen gilt. Das ist bei DHL nicht der Fall. Auf unserer Landkarte gibt es keine weißen Flecken", gab sich Rosen selbstbewusst. Selbst im erst seit Juli unabhängigen Südsudan ist DHL mit einer Express- und einer Speditionsniederlassung vertreten.
Während die Sorgen um die Euro-Zone und Nordamerika sowie eine möglicherweise harte Landung des langjährigen Wachstumsgaranten China die Volkswirte umtreiben, ist Rosen zuversichtlich. Die Logistik gilt als Frühindikator der Konjunktur. Einige Wettbewerber hatten in den vergangenen Wochen die Erwartungen gedämpft. Nicht so die Post: "Wir rechnen nicht mit einer globalen Rezession", sagte der Manager, der vor 17 Jahren für den damaligen Chemiekonzern Hoechst nach Deutschland kam und fließend Deutsch spricht. In Europa erwarte er zwar nur ein geringes Wachstum, für die Weltwirtschaft aber ein Plus von rund 3,5 Prozent.
"Wir sehen eine leichte Abschwächung bei den Volumina im See- und Luftfrachtbereich", sagte Rosen. Expressgeschäft und Kontraktlogistik würden jedoch weiter solide wachsen. Deshalb investiere der Konzern in den Ausbau der Infrastruktur, etwa 175 Mio. Dollar für ein neues Luftfrachtzentrum in Schanghai, das im zweiten Quartal 2012 eröffnet wird. Vor allem in das brummende Asien-Geschäft steckt DHL kräftig Geld für neue, größere Flugzeuge und neue Verbindungen - etwa nach Afrika und Südamerika. Im Expressgeschäft mit zeitkritischen Sendungen, das 2,9 Mrd. Euro zu den Konzernerlösen beisteuert, entfällt mittlerweile die Hälfte des Umsatzes auf Asien.
Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.
Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?
Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …
45 Schritte in die SelbstständigkeitNur wer gut vorbereitet ist, schafft einen erfolgreichen Unternehmensstart. Dieser Gründerfahrplan hilft, die größten Hinder- nisse auf dem Weg in die Selbstständig- keit schnell und sicher zu überwinden. mehr
FinanzierungSie sind an einer Gründungsfinanzierung interessiert? Oder möchten für Ihren Betrieb Fahrzeuge erwerben? Hier finden Existenzgründer und Unternehmer viele Wege zur passenden Finanzierung. mehr
SteuerrechnerEinkommen, Umsatz oder Abfindung: Wie viel bleibt am Ende übrig? Ermitteln Sie Ihre Steuerlast mit den Rechnern von impulse.de und steuerberaten.de. Von Gewerbe bis hin zu Erbschaftsteuer. mehr
Firmenwert ermittelnÜber- oder unterschätzt? Wie viel Sie erwarten können, wenn Sie Ihre Firma verkaufen, zeigt der Firmenwertrechner von impulse.de und Klein & Coll. - einfach und schnell durch die Eingabe weniger Zahlen. mehr
Verträge und VorlagenSie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr
Aus Sicherheitsgründen möchten wir Ihre E-Mail-Adresse bestätigen.
Klicken Sie bitte dazu den Aktivierungs-Link, den wir Ihnen
gerade per E-Mail an zugesendet haben.
"Zum Handeln geschaffen" lautet Metros Motto. Der neue Konzernchef Olaf Koch scheint den Slogan wörtlich zu nehmen. Mit dem ersten großen Verkauf einer Tochter bricht er den Stillstand bei Metro auf. mehr
Das Gerede von der Abwanderung europäischer Unternehmen an billigere Standorte ist alles andere als neu. Aber wirklich gegangen ist kaum jemand. Denn China ist als Absatzmarkt viel zu wichtig. mehr
Eine Einheitskasse führt nicht zu mehr Gerechtigkeit, sondern zur Zweiklassenmedizin. Statt das duale Gesundheitssystem durch eine Bürgerversicherung zu ersetzen, sollten Menschen mit stabilem Einkommen verpflichtet werden, eine Rücklage für ihre medizinischen Kosten im Alter bilden. mehr
Das Stahlwerkefiasko in Amerika zeigt: Bei ThyssenKrupp versagen die Kontrollinstanzen. Das gilt sowohl für den Aufsichtsrat als auch für die Krupp-Stiftung. mehr
Soll die größte US-Bank zerschlagen werden? Die Größe einer Bank allein ist kein Makel. Der Fall zeigt aber, dass der Derivatehandel eine strengere Aufsicht braucht. mehr
Zahlt der Chef die Krankenzusatzpolice, verzichten Versicherer auf die Gesundheitsprüfung. Davon profitieren vor allem Angestellte mit Vorerkrankungen. Bei arbeitnehmerfinanzierten Modellen schauen die Anbieter aber wieder genauer hin. mehr
Ein Anteilspaket geht an den Industrieausrüster Andritz. Das Grazer Unternehmen kündigt ein Übernahmeangebot an alle Aktionäre an. Für chinesische Interessenten gab es dagegen Absagen. mehr
Der neue Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, hat ehrgeizige Pläne: Das Geldhaus soll in der globalen Spitzenliga mitmischen. Dafür will er die Banker umerziehen: keine Ego-Shows mehr und ein Bekenntnis zur Heimat. mehr
Während es in Deutschland derzeit zappenduster für Schlecker aussieht, ist das Auslandsgeschäft über den Verkaufstisch gegangen. Système U hat Schlecker-Frankreich gekauft. mehr
Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions
AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!