Der Arbeitskampf beginne um 0 Uhr und werde auch nicht für neue Verhandlungen unterbrochen, kündigte GDL-Chef Manfred Schell am Dienstag in Frankfurt an. "Ab kommenden Montag stehen die Räder still." Die Bahn habe noch bis Sonntagabend Zeit, ein neues Angebot zu unterbreiten. Solange sei die GDL verhandlungsbereit. Ein Streik könne nur noch abgewendet werden, wenn die Bahn den Tarifvertrag ohne Bedingungen unterschreibe.
Zuvor hatte die Deutsche Bahn hat die Lokführergewerkschaft nach den jüngsten Streikdrohungen gemahnt, sich an die Absprachen zu halten. Bei einer vereinbarten Lohnerhöhung von elf Prozent wäre ein Streik völlig unbegreiflich, kritisierte Personalvorstand Margret Suckale. Unverständlich sei auch, dass die GDL die Ende Januar einvernehmlich getroffene Vereinbarung nun nicht mehr unterschreiben wolle. Suckale bekräftigte zugleich die Kompromissbereitschaft des Konzerns: "Wir werden die Verhandlungen jetzt nicht scheitern lassen." Ein neuer Gesprächstermin wurde aber bisher nicht festgelegt.
Am Dienstagabend hatte die GDL die Verhandlungen mit der Bahn abgebrochen, nachdem sich beide Seiten nicht auf einen Grundlagentarifvertrag einigen konnten. Die Bahn macht dieses Vertragswerk zur Bedingung für den Tarifabschluss. Sie will damit sicherstellen, dass es keine Widersprüche zwischen den Tarifverträgen mit der GDL und mit der Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA gibt. Die GDL sieht darin hingegen eine unzulässige Einschränkung ihrer Unabhängigkeit. Die Tarifgespräche zwischen Bahn und GDL waren in den vergangenen Monaten mehrfach kurz vor dem Abschluss gescheitert.