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Merken   Drucken   01.01.2012, 09:00 Schriftgröße: AAA

Gebühren: Inselkoller vor Dubai

Die Immobilienbetreiber am Golf haben sich von der Krise 2008 längst nicht erholt. Als neue Einkommensquelle haben sie ihre reichen Kunden entdeckt: Wer auf dem künstlichen Luxuseiland Dschumaira in den Pool will, soll Gebühren zahlen. von Kathinka Burkhardt, Hamburg
Als Bewohner der Villenanlage Shoreline auf der Palmeninsel Dschumaira vor Dubais Küste kann man sich an Silvester einiges bieten lassen: ein Galadiner in einem der Hotels, um 0 Uhr das sensationelle Feuerwerk, das die 16 Kilometer lang aufgeschütteten Wedel der künstlichen Insel taghell erleuchten wird, oder einen Abstecher zur Party auf dem Luxusliner "Queen Elizabeth 2" im Hafen von Dubai, zu der sich immerhin Lindsay Lohan und Pamela Anderson angekündigt haben.
Eine Luftaufnahme der Palm Dschumaira in Dubai   Eine Luftaufnahme der Palm Dschumaira in Dubai
Am nächsten Tag könnte hingegen Langeweile aufkommen. Denn wer gehofft hatte, bei 25 Grad am Pool seine frisch gefassten Vorsätze fürs neue Jahr vergessen zu können oder im Fitnessstudio die Feiertagspölsterchen abzuarbeiten, muss sich etwas anderes überlegen. Den Anwohnern ist der Zutritt verboten. Der Grund: Sie schulden dem Anlagebetreiber Geld.
Zumindest behauptet dies der Immobilienbauer Nakheel, der rund 1400 Villen auf der fünf mal fünf Kilometer großen Palmeninsel gebaut hat und für die Instandhaltung der Anlage zuständig ist. 90 Prozent der Bewohner hätten versäumt, Gebühren für die Nutzung von Pools, Fitnesscentern, Stränden und öffentlichen Plätzen zu zahlen - 5000 Dirham, also 1044 Euro. Es gelte: kein Geld, kein Pool. Und als wäre die Verbannung in die Villen nicht Strafe genug, hat Nakheel an die Türen der Luxusapartments nun die Namen säumiger Bewohner geheftet.
Aber Nakheel hat das Geld eben dringend nötig: 16 Mrd. Euro Schulden lasten auf dem Unternehmen. Das einstige Juwel im Portfolio der Staatsholding Dubai World leidet immer noch unter dem Platzen der Immobilienblase 2008. Bis heute haben sich die Preise für Häuser auf der Insel halbiert. 2002 hatte Nakheel die Luxusbauten noch für viel Geld binnen 72 Stunden verkauft. Aber mit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers stürzte Dubai in die Krise: Häuserpreise fielen, futuristische Bauten wie ein Golfplatz in einem Vulkankrater mussten abgebrochen, Schulden für laufende Projekte konnten nicht getilgt werden.
Nur 15 Mrd. Euro aus Abu Dhabi bewahrten Dubai vor der Pleite. Doch auch dem Nachbaremirat bereiten die Nachwehen der Krise Probleme: 3,5 Mrd. Euro musste Abu Dhabi gerade am Donnerstag seinem Immobilienentwickler Aldar Properties versprechen. Für 1,19 Mrd. Euro kauft das Emirat auch noch Anteile an einem Aldar-Bauprojekt, um die Investoren zu beruhigen. Die Jahresendtristesse am Golf wäre sonst auch gar zu groß.
  • FTD.de, 01.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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