Die neue Einrichtung wird auch privat finanziert - diesen Schritt wagen bislang nur wenige Träger von Krankenhäusern. Die 7,5 Mio. Euro für den Neubau in Gießen strecken die Deutsche Anlagen-Leasing (DAL) und die Hochtief Construction AG vor. Letztere übernimmt auch die Bauarbeiten, während eine DAL-Tochter zugleich für das Projektmanagement verantwortlich zeichnet. Die Uniklinik ist zwar von Anfang an Eigentümer der neuen Immobilie, die Baukosten kann sie jedoch in niedrigen Raten abstottern: Der Vertrag währt 28 Jahre.
Public-Private Partnership (PPP), also das Zusammenwirken von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, steckt beim Bau und Betrieb von Immobilien im Gesundheitswesen noch in den Kinderschuhen. In Großbritannien oder Australien sind solche Modelle bereits gang und gäbe. Dort finanzieren Baufirmen Kliniken, betreiben sie und halten sie jahrelang instand. "Deutschland steht jetzt da, wo Großbritannien vor acht, neun Jahren stand", sagt Ralf Nagengast, beim Unternehmen Wayss & Freytag Schlüsselfertigbau für PPP zuständig.
Zukunftsträchtiger Markt
Ein 100-prozentiges PPP-Projekt - also Planung, Bau, Finanzierung und auch noch der anschließende Betrieb des Gebäudes mit privaten Mitteln - existiert bislang noch nicht. Umgesetzt wurden nur einzelne Teile des Konzepts wie in Gießen oder in Mainz, wo Hochtief zusammen mit einer weiteren Firma einen Teil des Uniklinikgeländes für 99 Jahre als Erbpacht übernahm und darauf unter anderem Büros und Parkplätze für Klinikmitarbeiter errichtet hat.
Der Markt gilt jedoch als zukunftsträchtig: Nach einer bislang unveröffentlichten Studie des Ifo-Instituts in München betrug der Wert aller Gebäude des Gesundheitswesens in Deutschland im Jahr 2003 rund 233 Mrd. Euro. Damit sind diese Gebäude wertvoller als sämtliche Bürohäuser hier zu Lande.
Dass in die Krankenhäuser künftig viel investiert werden müsste, steht für Experten außer Frage. "25 bis 50 Mrd. Euro werden in den nächsten Jahren für Neubau und Modernisierung von Kliniken benötigt", schätzt Roland Mörmel, Leiter der Abteilung Gesundheitsimmobilien bei Hochtief. Ohne privatwirtschaftliche Finanzierungsmodelle lässt sich das Problem kaum lösen, denn den öffentlichen Trägern fehlt das Geld. Das rechnete die Landesbank Sachsen in einer Studie vor. Danach sanken die Aufwendungen für den Unterhalt der Krankenhäuser allein in den alten Bundesländern von 3,9 Mrd. Euro im Jahr 1993 auf 3,4 Mrd. Euro 2001. 2006 dürften bundesweit nur noch knapp 4 Mrd. Euro zur Verfügung stehen.
Krankenhäuser keine idealen Objekte
Ob PPP hier zu Lande großflächig Fuß fassen wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. Bei Gerhard Becher von Bilfinger & Berger herrscht Skepsis vor. "Die für mich ungelöste Frage ist die Bonität der Träger", sagt der PPP-Experte. Betrachte man die Finanzkrise vieler Kommunen, so sei oft nicht davon ausgehen, dass diese über 30 Jahre entsprechende Zahlungen leisten könnten. Kritisch sehen Experten auch, dass ein Krankenhaus so gar nicht den Anforderungen an ein ideales Objekt entspricht. Zum einen ist es nicht gut an Dritte zu verkaufen, zum anderen kann es nicht flexibel an verschiedene Raumbedürfnisse angepasst werden. Gegenwind kommt auch von Klinikseite, wo nicht wenige ärztliche Direktoren den Sinn einer Kommerzialisierung der Gebäude in Frage stellen.
Optimistisch sieht dagegen Robert Heinemann von der ECE Projektmanagement die Lage. Das Unternehmen, einer der größten Betreiber von Einkaufszentren in Europa, engagiert sich verstärkt in Gesundheitsimmobilien. "Wir glauben, dass der Effizienzdruck zunimmt", sagt ECE-Sprecher Robert Heinemann. Es werde immer mehr Träger geben, die auf das Know-how der Privaten zurückgreifen wollten. Auch Experte Nagengast von Wayss & Freitag zweifelt nicht am Siegeszug von Public-Private Partnerships: "Es gibt keine wirklichen Stolpersteine." Bereits in fünf Jahren könnten die ersten Baustellen für reine PPP-Projekte besichtigt werden.