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Merken   Drucken   19.10.2005, 17:51 Schriftgröße: AAA

Gesundheitswirtschaft: Transparenz und Wettbewerb  

Der Bundesverband der AOK hat zu Beginn der Koalitionsverhandlungen zwischen der Union und der SPD für mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen geworben. Die bisher vereinbarten Tranzparenzpflichten seien nur der erste Schritt. von Nikolaus Förster, München
Hans Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzende des AOK Bundesverbandes   Hans Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzende des AOK Bundesverbandes
"Es muss für die Versicherten mehr Wahlmöglichkeiten geben", forderte der Vorstandsvorsitzende des AOK Bundesverbandes, Hans Jürgen Ahrens, auf dem Europäischen Gesundheitskongress in München. Voraussetzung dafür sei eine größere Transparenz.
Seit Ende August sind die deutschen Krankenhäuser dazu verpflichtet, so genannte Qualitätsberichte zu veröffentlichen. Die Daten der 2200 Häuser geben Auskunft über die Zahl der Ärzte, die Qualifikation der Pfleger, die Ausstattung der Kliniken mit Hightech-Geräten - und über die Anzahl der häufigsten Eingriffe. Verlässliche Aussagen über die Qualität der angebotenen Therapien erlauben die Berichte hingegen nicht. Wie gut Behandlungen verlaufen, muss nicht veröffentlicht werden.
"Das ist nur ein erster Schritt", sagte Ahrens. Es müsse darüber diskutiert werden, wo weitere Daten für die Versicherten offen gelegt werden können. "Der Datenschutz ist kein Selbstzweck, sondern soll den Menschen dienen." Ende August hatte die AOK ihr Internetportal "Krankenhausnavigator" vorgestellt. Anhand der Häufigkeit bestimmter Operationen für zunächst sieben Krankheiten hatte die AOK als bundesweit erste Krankenkasse eine Datenbank relevanter Kliniken erstellt.
Unterstützung von Seehofer
Unterstützung erhielt Ahrens in München vom Gesundheitsexperten und designierten Agrar- und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer. Transparenz und Wettbewerb seien die "wichtigste Voraussetzung für Qualität", sagte der CSU-Politiker. Auch wenn Deutschland weiterhin international eines der besten Gesundheitssysteme habe, seien die Strukturen "nicht mehr die modernsten".
Die starke Trennung zwischen einem stationären und ambulanten Bereich etwa sei nicht mehr zeitgemäß. Wie könne es beispielsweise sein, dass Privatpatienten in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden dürften, gesetzlich Versicherte dagegen nicht? "Das muss der Gesetzgeber auflösen, weil die Selbstverwaltung es nicht tut", forderte Seehofer.
Auch der Wettbewerb der Kassen untereinander müsse angefacht werden. Jeder Versicherte solle die Möglichkeit haben, bei seiner Kasse verschiedene Pakete mit unterschiedlichen Versicherungsleistungen auszuwählen. Die finanziellen Anreize zur Prävention sollten verstärkt werden. Außerdem sollten die Rechtsgrundlagen so geändert werden, dass es künftig leichter falle, eine Kasse zu wechseln.
Auch der Ärztemangel bedürfe einer schnellen Antwort: Wer künftig junge, gute Mediziner in Deutschland haben wolle, müsse diese besser bezahlen. "Wir müssen die Budgetierung beenden", forderte Seehofer. Die komplizierte Abrechnung über ein System mit Punktwerten solle durch eine Gebührenordnung abgelöst werden. "Das wäre auch transparenter."
  • Aus der FTD vom 20.10.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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