Während private Konkurrenten im liberalisierten Schienennahverkehr Schwierigkeiten haben, die weitere Expansion zu finanzieren, spielt die Bahn die Vorteile eines Staatskonzerns aus. Hinzu kommt, dass sich die Privatbahnen in der jetzigen Lage nicht mehr an allen öffentlichen Ausschreibungen beteiligen wollen. Die Folge: "2009 wird die Bahn mehr Ausschreibungen gewinnen als 2008", so Ulrich Homburg, Chef von DB Regio.
Der künftige Bahn-Chef Rüdiger Grube kann damit sein Krisenmanagement auf die Logistiksparte Schenker konzentrieren, für die der Konzern einen Verlust in diesem Jahr nicht ausschließt. Schenker steuerte 2008 fast zwei Drittel zum DB-Umsatz bei. Ertragreichste Sparte war mit einem operativen Ergebnis von 857 Mio. Euro jedoch DB Regio.
Der Gewinnbringer war zuletzt allerdings bedroht: Im Nahverkehr - in dem jährlich 7 Mrd. Euro an die Anbieter verteilt werden - hat die Bahn nur noch einen Marktanteil von 83 Prozent. Sie nähert sich damit jenen 75 Prozent, die der scheidende Konzernchef Hartmut Mehdorn als unbedingtes Minimum definiert hat. Die Auswirkungen verlorener Ausschreibungen machen sich erst zeitverzögert bemerkbar, da die Vergabe Jahre im Voraus erfolgt. Die Verträge laufen dann aber mindestens zehn Jahre, sodass einmal verlorene Strecken dauerhaft Löcher in die Bilanz reißen.
Nun aber dürfte die Bahn die Negativentwicklung abbremsen. Denn in diesem für den Wettbewerb ungünstigen Jahr werden mit etwa 75 Millionen Zugkilometern mehr als doppelt so viele Strecken vergeben wie etwa 2008. Im Vorjahr konnte DB Regio nur knapp 30 Prozent der Zugkilometer gewinnen. "Bei der Ballung mehrerer großer Ausschreibungen hat die Bahn einen Vorteil", sagt Klaus Jacobs, Chef des Konkurrenten Arriva. Wie andere private Anbieter auch muss Arriva jetzt Prioritäten setzen.
Neben Ausschreibungen in Hessen und Sachsen steht eine Vergabe des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) an, die allein 23 Millionen Zugkilometer umfasst. Die Angebotsfrist für das Paket, das in vier "Lose" unterteilt ist, läuft bis 23. April. Das Verfahren ist so konzipiert, dass ein Anbieter maximal zwei Lose gewinnt.
Die Bahn wird damit zwar in jedem Fall Marktanteile verlieren. "Wir sind in einer Situation, in der unsere Wettbewerber nur gewinnen und wir nur verlieren können", klagt Homburg. Doch der Konzern hat in diesem Jahr zum Beispiel in Franken und bei der S-Bahn Stuttgart schon wichtige Ausschreibungen für sich entschieden.