Der Tod des einflussreichen Patriarchen Arnold Maersk Mc-Kinney Möller markiert eine Zäsur für die dänische Konzerngruppe, zu der auch die größte Linienreederei der Welt, Maersk Line , gehört. Der 98-Jährige, der Ende vergangener Woche noch bei der Hauptversammlung aufgetreten war, starb Montagmorgen in einem Krankenhaus in Kopenhagen.
Möller hat aus der Firma seines Vaters einen globalen Konzern mit 60 Mrd. Dollar Umsatz und mehr als 100.000 Mitarbeitern geschmiedet und noch bis zum letzten Tag maßgeblich gesteuert. Erst mit 80 Jahren gab er die operative Führung nach 38 Jahren ab, mit 90 Jahren zog er sich vom Aufsichtsratsvorsitz zurück.
Doch auch danach ging ohne die Zustimmung des Seniors, der noch fast täglich an seinem Schreibtisch in der Kopenhagener Zentrale saß, nur wenig. Noch am Freitag lief er bei der Hauptversammlung zu Fuß an den Journalisten vorbei. Schwäche zu zeigen, das war nie seine Sache: schon Anfang der 30er-Jahre nicht, als er von seinem Vater, der die Reederei 1904 gegründet hatte, nach Hamburg geschickt wurde, um von der Konkurrenz zu lernen. Wegen des miesen Essens sah der junge Maersk ganz blass aus. Der investierte zwei Reichsmark in eine Höhensonnenbestrahlung. Der Vater sollte nicht sehen, wie schlecht es ihm ging.
Dass aus dem blassen Möller der reichste Däne wurde, hat er vor allem seinem famosen Sinn für gute Geschäfte zu verdanken - und einer Reihe von Coups. Den ersten landete Möller kurz nach dem Krieg. Die Nachfrage nach Transporten war riesig, doch viele Schiffe zerstört. Möller baute neue, in der modernsten Werft Dänemarks. Moderne Unternehmensführung hatte er sich bereits in den 40er-Jahren in New York abgeschaut, wo er sieben Jahre im Exil verbrachte. Später holte er einen Rationalisierungsexperten aus den USA in die Konzernzentrale nach Kopenhagen, der sogar die Dauer der Toilettengänge der Mitarbeiter mit der Stoppuhr maß. Zahlreiche amerikanischen Lehren setzte Möller um: Er richtete Profitcenter ein, gründete eine interne Reedereischule, ein Intelligenztest sorgte dafür, dass nur die besten Leute eingestellt wurden - bis heute. Mitarbeiter sprachen den Patriarchen respektvoll mit "Herr Möller" an, eine in Dänemark ungewöhnlich formale Anrede.
Den vielleicht größten Coup aber fädelte noch sein Vater ein: Der entschied in den 60er-Jahren, in der Nordsee nach Öl zu suchen. Die Ausbeute verschafft dem Unternehmen seither ein sicheres Kapitalpolster. In der Containerschifffahrt setzte Möller Maßstäbe. Er führte verlässliche Fahrpläne für alle Touren ein, was es zuvor nicht gegeben hatte.
Bereits sein Vater hatte früh dafür gesorgt, dass das Unternehmen vor fremden Zugriffen geschützt bleibt. Er gründete einen Familienfonds, brachte dort den Großteil seiner Unternehmensanteile ein. Bis heute sind dort mehr als 50 Prozent der stimmberechtigten Anteile geparkt und ein zweistelliges Milliardenvermögen.
Bis zu seinem Tod war Möller Vorsitzender der Stiftung. Den Posten übernimmt nun die jüngste seiner drei Töchter, Ane Maersk Mc-Kinney Uggla. In operativen Ämtern des Konzerns arbeitet keine der Töchter. Das Management haben schon vor Jahren externe Manager übernommen.