Heiß begehrt: Außer der Bahn buhlen weitere Investoren um den Hamburger Hafen und die Hochbahn
"Wir sprechen auch mit Finanzinvestoren über einen Einstieg beim Hafen; Exklusivität haben wir mit der Bahn nicht vereinbart", sagte Hamburgs Finanzsenator Wolfgang Peiner der FTD. Hamburg und die Bahn wollen ein Paketgeschäft durchsetzen: Der Konzern verlegt seine Zentrale von Berlin nach Hamburg, im Gegenzug gibt die Stadt Anteile an HHLA und dem Nahverkehrsunternehmen HHA an die Bahn ab.
Die Regierung, die bei dem Staatskonzern in der Standortfrage das letzte Wort hat, hat dem Umzug eine Absage erteilt. Er sei strukturpolitisch nicht akzeptabel. Die Beteiligungspläne bezeichnete Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee dagegen als "ausgesprochen interessante und zukunftsweisende Strategien". Zusätzliche Interessenten könnten den Teil des Pakets aber ins Wanken bringen.
Dem Einstieg internationaler Hafenbetreiber erteilte Peiner eine Absage. "Mit Wettbewerbern, die den Hamburger Hafen gegen andere ausspielen könnten, sprechen wir nicht." Branchenkenner gehen davon aus, dass diese Lösung der Stadt das meiste Geld in die Kasse spülen würde. Unternehmen wie Hutchison Whampoa aus Hongkong oder DP World aus Dubai gelten als sehr finanzkräftig.
Speditionsbranche verfolgt die Entwicklung kritisch
DP World zum Beispiel bietet für die Übernahme des britischen Hafenbetreibers P&O einen Aufschlag von 43 Prozent auf den ursprünglichen Börsenwert. Die finanziell klamme Bahn werde aber auch mit Finanzinvestoren wie Infrastruktur- und Private-Equity-Fonds nicht mithalten können, erwarten Banker. Branchenkenner taxieren den Wert der HHLA auf rund 1 Mrd. Euro.
In der Speditionsbranche wird die Entwicklung beim Hafen sehr kritisch verfolgt. Klaus-Michael Kühne, Großaktionär des weltgrößten Seefrachtunternehmens Kühne + Nagel (K+N), hat bereits angekündigt, er werde nach einem Einstieg der Bahn Container an Hamburg vorbeileiten, etwa nach Bremerhaven und Rotterdam. Er beklagte, die HHLA verliere ihre Neutralität. Mit der Spedition Schenker gehört der Bahn ein direkter Wettbewerber von K+N.
Diese Bedenken glaubt Peiner zerstreuen zu können: Die Neutralität der HHLA werde durch vertragliche Regelungen sichergestellt. Kühne genügt das nicht. "Das wäre die Quadratur des Kreises, denn eine HHLA im Einflussbereich der Bahn kann gar nicht mehr neutral sein", sagte er der FTD.
Anders als beim Hafen konzentriert sich die Stadt bei den Verhandlungen um die Hochbahn (HHA) auf die Bahn. "Mit anderen Interessenten verhandeln wir nicht", sagte Peiner. Die privaten Nahverkehrsunternehmen Connex, Abellio und Rhenus hatten Interesse an der HHA angemeldet, die mit U-Bahn und Bussen außer in Hamburg auch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen aktiv ist.