Deutschlands größter Handelskonzern Metro hat seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) erwarte das Unternehmen nun vor Sonderfaktoren rund 2 Mrd. Euro, teilte der Handelskonzern am Freitag in Düsseldorf mit. Bisher war das Unternehmen von einem Ebit auf Höhe des Vorjahres von 2,372 Mrd. Euro ausgegangen. Hintergrund seien verschlechterte Rahmenbedingungen durch die Euro-Krise insbesondere in Süd- und Teilen von Osteuropa.
"In vielen Ländern haben sich in den vergangenen Wochen die Bedingungen für unsere Kunden und damit auch für unser Geschäft deutlich verschlechtert", sagte Metro-Chef Olaf Koch am Freitag. Die Verbraucher hielten ihr Geld zusammen - vor allem Unterhaltungselektronik sei nicht mehr so gefragt, teilte der Konzern mit, zu dem auch Europas größte Elektronikhandelskette Media-Saturn gehört.
Analysten hatten bereits in den vergangenen Monaten Zweifel an der Erreichbarkeit der Gewinnprognose des Handelsriesen mit seinen Töchtern Media Saturn, Real und Kaufhof geäußert. Metro erklärte nun, die Folgen der Staatsschuldenkrise beeinträchtigten den Geschäftsverlauf stärker als erwartet. Am Ziel einer nachhaltigen Umsatzsteigerung für 2012 halte Metro aber weiter fest.
Seine erst jüngst aus dem DAX in den Nebenwerteindex MDAX abgestiegenen Aktien schickte der Konzern auf Talfahrt. Der Kurs fiel um bis zu neun Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief von 21,46 Euro. Das ist der größte Tagesverlust seit Anfang Dezember 2011. Damals hatte das Unternehmen wegen den schwachen Weihnachtsgeschäftes seine Umsatz- und Ergebnisprognose kassiert. "Dass es bei Metro nicht so gut läuft, war vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme in Südeuropa eigentlich klar", sagte ein Börsianer. "Es kommt ja nicht von ungefähr, dass die Aktie kürzlich in den MDAX absteigen musste. Dennoch ist die Nachricht sehr negativ."
Koch hatte zu Jahresbeginn den Chefposten übernommen - und mit einer Preis- und Serviceoffensive versucht, den Umsatz anzukurbeln. Mit einem Sparprogramm, das auch Stellenstreichungen umfasst, wollte Koch zugleich dafür sorgen, dass die Margen nicht wegbrechen. Zwar konnte Koch zuletzt im zweiten Quartal die Umsätze steigern, doch lasteten die Kampfpreise auch auf den Erträgen: So schrumpfte der operative Gewinn im Quartal und unter dem Strich schrieb der Konzern von April bis Juni einen Verlust von 20 Mio. Euro. In der zweiten Jahreshälfte hatte Koch die Gewinne eigentlich steigern wollen, um das von Analysten bereits seit Wochen angezweifelte Gewinnziel doch noch zu erreichen. Diese Ankündigung musste er nun aufgeben - und revidierte damit ebenso wie sein Vorgänger Eckhard Cordes im vergangenen Jahr seine Prognose.