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Merken   Drucken   16.03.2012, 18:25 Schriftgröße: AAA

Handelskonzern: Thalia-Sanierung kommt Douglas teuer

Obwohl sie sich im Konkurrenzkampf mit Amazon schwer tut, hält Douglas an der Buchkette fest. Die Gründerfamilie Kreke strukturiert die Tochter in Eigenregie um - Anteilseigner Könnecke zieht sich zurück. Über den Verbleib an der Börse wird indes noch gestritten.
© Bild: 2011 ddp/Michael Gottschalk
Obwohl sie sich im Konkurrenzkampf mit Amazon schwer tut, hält Douglas an der Buchkette fest. Die Gründerfamilie Kreke strukturiert die Tochter in Eigenregie um - Anteilseigner Könnecke zieht sich zurück. Über den Verbleib an der Börse wird indes noch gestritten.

Die Sanierung von Thalia wird das Ergebnis des Handelskonzerns Douglas  stark belasten: Die Buchhandelskette erwarte Wertberichtigungen in einer Höhe von rund 130 Mio. Euro und plane Rückstellungen in einem Volumen von rund 40 Mio. Euro, heißt es einer internen Mitteilung der Geschäftsführung. Die Zahlen träfen aus heutiger Sicht zu, sagte ein Douglas-Sprecher am Freitag. "Ein Unternehmen in Zeiten wie diesen wieder auf solide Beine zu stellen, kostet Geld", hieß es in dem Schreiben weiter.

Aufsichtsrat Jörn Kreke (l.) mit seinem Sohn und Vorstandschef ...   Aufsichtsrat Jörn Kreke (l.) mit seinem Sohn und Vorstandschef Henning Kreke (2006)

Douglas-Chef Henning Kreke will Thalia in Eigenregie wieder auf Kurs bringen, die mit der wachsenden Konkurrenz von Onlinehändlern wie Amazon  kämpft. Dabei hat er freie Hand: Der Thalia-Anteilseigner Jürgen Könnecke habe gesagt, dass er und seine Familie sich aus dem Gesellschafterkreis zurückziehen wollten, hieß es in dem Schreiben. Per Ende März wolle er sich von dem Anteil in Höhe von 25 Prozent mittels einer Put-Option trennen. Ein Douglas-Sprecher bestätigte dies, zum Kaufpreis wollte er sich nicht äußern.

Seit die Gründerfamilie Kreke im Januar mitgeteilte hatte, sie überlege den Konzern im Schulterschluss mit Finanzinvestoren von der Börse zu nehmen, wird über die Zukunft des Traditionsunternehmens diskutiert. Am Finanzmarkt war spekuliert worden, Thalia, Hussel und AppelrathCüpper könnten verkauft werden. Übrig blieben dann nur die beiden ertragsstarken Parfümerien und die Schmuckkette Christ. Dass es zumindest Anfragen für Thalia von Interessenten gegeben hat, räumte Douglas am Donnerstag ein. Der Vorstand habe auch künftig die Pflicht, selbige zu prüfen, hieß es.

Zu den Sondierungen der Familie Kreke, den Konzern zu übernehmen und in Privathand zu führen, gibt es Douglas zufolge keinen neuen Stand. Wann oder ob es überhaupt zu einer Transaktion komme, sei weiterhin offen. Ein solches Vorhaben könnte ohnehin an anderen Aktionären wie dem Drogerieunternehmer Erwin Müller scheitern. Dieser hat die Option, seinen Anteil von derzeit gut zehn auf über 25 Prozent auszubauen und hätte dann eine Sperrminorität. Ob Müller dies tun wird ist unklar. Der Unternehmer hatte angekündigt, sich bis zur Hauptversammlung nicht öffentlich zu seinen Plänen zu äußern. Das Aktionärstreffen findet am 21. März in Essen statt.

Die Probleme bei Thalia belasten die Gewinne des Konzerns. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde im Geschäftsjahr 2011/12 wegen der zu erwartenden Restrukturierungen bei der Tochter zwischen 200 und 250 Mio. Euro liegen - deutlich weniger als im Vorjahr. Dem internen Schreiben zufolge könnten sich die Belastungen auf rund 170 Mio. Euro summieren. Douglas hatte im Geschäftsjahr 2010/11 ein Ergebnis vor Steuern von rund 140 Mio. Euro geschrieben. Der Überschuss lag bei 87 Mio. Euro.

Das Douglas-Management will in Folge dessen Filialen verkleinern oder bis zu 15 von ihnen schließen und das eigene Online-Angebot stärken. Auch Zusatzsortimente wie Geschenkartikel oder Spielwaren sollen die Kunden locken. Insgesamt unterhält die Kette knapp 300 Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit knapp 5300 Mitarbeitern. "Schließungen in großem Ausmaß wird es nicht geben", heißt es in dem Schreiben weiter. "Thalia wird sich nun konsequent auf seine Hausaufgaben konzentrieren", kündigte das Management an. Douglas-Aktien notierten am Nachmittag mit einem leichten Minus.

  • FTD.de, 16.03.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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