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Merken   Drucken   07.01.2011, 13:58 Schriftgröße: AAA

Hauch einer Entschuldigung: Bahnchef Grube listet Gründe für Winterchaos auf

"Betriebliche Herausforderungen" nennt der Eisenbahner die Organisationsprobleme bei der Bahn. Für das Winterchaos auf Deutschlands Schienen macht er vorrangig konzernexterne Faktoren verantwortlich.
Bahnchef Rüdiger Grube  hat den Konzern vor dem Hintergrund des Winter-Chaos verteidigt, gleichzeitig aber Mängel bei Organisation und Material eingeräumt. "Es kommen vier Dinge zusammen", sagte Grube am Freitag im ARD-"Morgenmagazin".
Erstens sei auch die Bahn einer höheren Gewalt ausgesetzt. "Zweitens haben wir nicht genügend Züge, aufgrund von Fehlern, die in der Konstruktion liegen." Drittens seien viele Flüge ausgefallen, und auch Autofahrer hätten die Bahn genommen. Das habe zu 30 Prozent mehr Buchungen geführt. "Viertens haben wir betriebliche Herausforderungen, da müssen wir sehr viel besser werden, gar keine Frage", sagte Grube.
Gestrandete Heimfahrer Weihnachten im Transit
Derzeit liefen mehrere Initiativen für ICE und IC, die aber viel Zeit beanspruchten. "Schnelle Lösungen gibt es bei der Bahn nicht, weil alles zertifiziert, alles berechnet, alles freigegeben werden muss vom Eisenbahnbundesamt", sagte der Konzernchef. "Mich ärgert das auch. Gehen Sie davon aus: Uns ärgert es am meisten, wenn uns etwas nicht gelingt."
Grube wies Vorwürfe von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zurück, wonach die Bahn an der falschen Stelle gespart habe. "Was haben zu dünn konstruierte Räder oder ein falsch ausgewählter Werkstoff an einer Achse mit Sparen zu tun? Überhaupt nichts", sagte er. Im Vergleich zu Flugzeug und Auto habe sich die Bahn in diesem Winter bisher hervorragend geschlagen. Aus seiner Sicht sei es "extrem gut", was die Bahnmitarbeiter leisteten. "Wir haben uns besser vorbereitet als im letzten Jahr, aber nicht auf einen Winter, wie wir ihn jetzt vorgefunden haben", fügte der Bahn-Chef hinzu.
Länder setzen Bahn unter Druck Am Montag soll sich Grube im Berliner Abgeordnetenhaus und in einer Sondersitzung der Länder-Verkehrsminister erklären. Schon am Donnerstag gab es ein Krisengespräch im Bundesverkehrsministerium.
Die Empörung um mangelhafte Leistungen in diesem Winter ist der erste echte politische Konflikt für die Bahn seit Grubes Antritt 2009: Der Streit um defekte Klimaanlagen im Sommer 2010 wurde nur von Grünen, SPD und Linken besetzt . Auch in der Auseinandersetzung um das Projekt Stuttgart 21 hat Grube allein die Opposition gegen sich.
Nun aber zieht die Bahn parteiübergreifend den Ärger auf sich. Öffentliche Kritik kommt etwa aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen. Am Montag dürfte es auch um Rückforderungen der Länder an die Bahn gehen.
  • dapd, 07.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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