Die Lufthansa hat schon ruhigere Hauptversammlungen absolviert: Wenn die Anteilseigner der umsatzstärksten Airline Europas an diesem Dienstag in der Kölner Arena zusammenkommen, gibt es eine Menge zu besprechen. Neben den großen Strategiefragen geht es auch um düpierte Vielflieger und um Dividenden in Zeiten des Arbeitsplatzabbaus.
Gespannt warten die Eigentümer auf Ausführungen des Vorstands zur künftigen Strategie des europäischen Branchenprimus, der von Billigfliegern und preisaggressiven Golf-Carriern wie Etihad, Qatar und Emirates bedrängt wird.
Das Unternehmen antwortet mit einem weiteren milliardenschweren Sparprogramm namens "Score", bei dem in einem ersten Schritt 3500 von weltweit 16.800 Stellen gestrichen werden. Lufthansa werde eine Qualitäts-Airline bleiben, betont Konzernchef Christoph Franz immer wieder.
Der zu Jahresbeginn 2011 ins Amt gekommene Vorstandsvorsitzende räumt inzwischen mächtig auf mit den Fehleinkäufen aus der Vergangenheit: British Midland (BMI) ist bereits verkauft, Lufthansa Italia dicht, Jade Cargo so gut wie abgewickelt und bei Brussels Airlines scheut Franz derzeit eine Aufstockung der eigenen Anteile. Am heikelsten für den Gesamtkonzern ist sicher die immer noch nicht abgeschlossene Sanierung der österreichischen Austrian Airlines.
Kurz vor der Hauptversammlung wandten sich Arbeitnehmervertreter gegen die geplante Dividendenausschüttung. "Man kann nicht auf der einen Seite vom Personal 500 Mio. Euro Sparbeitrag verlangen und auf der anderen Seite an die Anteilseigner Geld ausschütten", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle am Montag. Das sei eine "absolute Schieflage".
Die Kabinengewerkschaft Ufo kündigte an, auf der Hauptversammlung für die von ihr vertretenen Aktionäre dem Vorstand die Entlastung zu verweigern. Der UFO-Vorsitzende Nicoley Baublies sprach im Zusammenhang mit der geplanten Dividende von "sozialer Kälte" und "falscher Priorisierung".
Das Unternehmen hat der Hauptversammlung eine Dividende von 25 Cent je Aktie empfohlen, obwohl die Gesellschaft im vergangenen Jahr unter dem Strich einen Verlust von 13 Mio. Euro verzeichnete.
Künftig würden Belastungen durch die abgestoßene British Midland nicht mehr anfallen, hieß es zur Rechtfertigung. Insgesamt sollen 114,5 Mio. Euro ausgeschüttet werden.
Beide Gewerkschaften forderten Lufthansa-Chef Franz auf, ein klares Konzept zur Zukunft des Unternehmens vorzulegen. Alle Beteiligten müssten dazu Beiträge leisten, sagte Behle. Für die Aktionäre bedeute dies, dass sie auch mal auf eine Ausschüttung verzichten müssten. Über das Zukunftskonzept des Vorstands klagte Behle: "Wir wissen nicht, wo die Lufthansa hinwill."
Zu den kleineren Ärgernissen an diesem Dienstag gehört wohl der Rechtsstreit mit enttäuschten Stammkunden. Aus Prozessen um die Abwertung von Bonusmeilen entstand Streit um die Frage, wie Lufthansa die an Kunden ausgegebenen Meilen in der Bilanz bewerten muss.
In einem ersten Prozess hatte das Landgericht Köln entschieden, dass Lufthansa die Kunden nicht früh genug über die Änderungen der Meilenwerte informiert hatte.