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Merken   Drucken   20.02.2006, 21:53 Schriftgröße: AAA

Heros-Pleite bedroht Bargeldverkehr  

Die Insolvenz des größten deutschen Geldtransporteurs Heros behindert die Bargeldversorgung in Deutschland. "Temporär kann es zu Engpässen kommen. Sicherlich wird hier und da einmal ein Geldautomat leer laufen", sagte Jörg Echternach, stellvertretender Vorsitzender des Branchenverbandes BDGW, der FTD. von Klaus Max Smolka, Mark Schieritz, Frankfurt, Christiane Ronke, Hamburg, und Michael Gassmann, Düsseldorf
Heros hat beim Amtsgericht Hannover Insolvenz angemeldet   Heros hat beim Amtsgericht Hannover Insolvenz angemeldet
Die Bundesbank wies am Montag ihre Filialen an, ihre Öffnungszeiten notfalls zu verlängern, um Banken und Geschäfte mit Bargeld versorgen zu können. Die Heros-Unternehmensgruppe hatte am Montagnachmittag in Hannover für sich und ihre 23 Töchter Insolvenz angemeldet. Auslöser war ein Betrugsskandal, bei dem die Staatsanwaltschaft Mönchen-Gladbach Mitarbeiter des Unternehmens verdächtigt, insgesamt 300 Mio. Euro Kundengelder unterschlagen zu haben. Die Insolvenz trifft Banken, Supermärkte und Kaufhäuser, weil Heros nach Angaben des Brachenverbandes im deutschen Geldtransportgeschäft einen Marktanteil von 50 Prozent hat. Geldtransporteure befördern das Bargeld zwischen den Filialen der Bundesbank, Banken und Einzelhändlern. Sie füllen zudem Geldautomaten auf. Die Insolvenz ist in dieser Dimension beispiellos. Vor einem halben Jahr wurde das Insolvenzverfahren beim kleineren Konkurrenten Griffs Security eröffnet. In einer Großaktion hatten Landeskriminalämter (LKA) 25 Privatwohnungen in den rheinischen Städten Viersen und Frechen sowie in Hamburg und Hannover durchsucht. Vier Personen wurden unter dem Verdacht der schweren Untreue und des bandenmäßigen Betrugs verhaftet, darunter der Chef der Unternehmenszentrale sowie ein Prokurist. "Nach ersten Ergebnissen beläuft sich der tatsächliche Schaden auf rund 300 Mio. Euro", teilte das LKA Düsseldorf mit. Kritik an Geschäftdpraktiken Der Branchenverband BDGW kritisierte die Geschäftspraktiken der Firma, die nicht mehr Mitglied des Verbands ist. Heros biete Preise unter dem normalen Kostenniveau an. Während Mitgliedsunternehmen, die an Tariflöhne gebunden seien, ihren Kunden bis zu 66 Euro pro Stunde berechnen müssten, habe Heros teilweise nur 48 Euro verlangt. Die Preisgestaltung von Heros habe in den vergangenen Jahren eine Dimension erreicht, die betriebswirtschaftlich nicht mehr zu erklären sei, verlautete aus dem Branchenverband. Durch die Insolvenz wird die Versorgung mit Bargeld je nach Region und Geldinstitut beeinträchtigt. Bei den Großbanken hatten bereits am Wochenende Krisenstäbe getagt und sich um die Erteilung von Aufträgen an Heros-Wettbewerber gekümmert. "Jetzt herrscht das Prinzip: ,Wer zuerst kommt, mahlt zuerst‘", sagte BDGW-Vize Echternach. Im Ruhrgebiet gebe es zum Beispiel viele Geldtransporteure. "In Hintertupfingen kann es dagegen durchaus mal zwei Tage leere Automaten geben. Spätestens am Freitag werden wir wohl wieder eine mehr oder weniger normale Versorgung haben." Ein Commerzbank-Sprecher sagte: "Realistischerweise kann es passieren, dass ein Geldautomat mal nicht befüllt ist." Beim Marktführer Deutsche Bank hieß es hingegen, es herrsche "Business as usual. Wir haben keine Einschränkung der Bargeldversorgung - und bisher keinen Hinweis, dass sich das ändert." Bei Einzelhändlern wie Metro gibt es Notfallpläne, damit das Geld nicht in den Filialen liegen bleibt. Metro arbeitet seit Freitag nicht mehr mit Heros zusammen. "Uns entsteht kein Schaden, denn Heros ist versichert", sagte ein Konzernsprecher. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.
  • Aus der FTD vom 21.02.2006
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