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Merken   Drucken   02.08.2012, 11:01 Schriftgröße: AAA

Homophobie: Chick-fil-A ist neues Mekka der Konservativen

Eine amerikanische Fastfood-Kette hat sich öffentlich gegen die gleichgeschlechtlichen Ehe ausgesprochen. Republikaner machen damit jetzt Wahlkampf und rennen dem Hühnchenbräter die Bude ein.
© Bild: 2012 AFP/ROBYN BECK
Eine amerikanische Fastfood-Kette hat sich öffentlich gegen die gleichgeschlechtlichen Ehe ausgesprochen. Republikaner machen damit jetzt Wahlkampf und rennen dem Hühnchenbräter die Bude ein.
von Christina Horsten und Marco Mierke, dpa
Das Logo eines Chick-fil-A in Springfield, Virginia   Das Logo eines Chick-fil-A in Springfield, Virginia

Es waren nur wenige Worte aber sie machten aus einem simplen Hähnchen-Burger mit Gurke ein politisches Statement: Seine Firma sei schon immer nach "der biblischen Definition der Familie" ausgerichtet gewesen. Das sagte der Präsident der beliebten US-Schnellrestaurant-Kette Chick-fil-A, Dan Cathy, einer christlichen Nachrichtenagentur. In einem Radio-Interview ergänzte er später: "Ich glaube, dass wir Gott dazu einladen, über uns zu richten, wenn wir unsere Faust ihm gegenüber schütteln und sagen 'Wir wissen besser als du, was eine Ehe ausmacht'."

In den USA tobt seit Jahren ein erbitterter politischer Streit um die Gleichstellung von Schwulen und Lesben auf der Heiratsurkunde. Konservative Gruppen und Kirchen laufen Sturm dagegen. Auf der Gegenseite stehen viele Demokraten, Menschrechtler und Hollywoodstars wie Brad Pitt, George Clooney oder Steven Spielberg. Der Komiker Steve Martin etwa twitterte zu der Hähnchen-Homo-Kontroverse gewohnt sarkastisch: "Ich habe gerade bei Chick-fil-A zu Abend gegessen und dann einen Mann geheiratet. Irgendwas war mit dem Burger".

Amazon spendet an Pro-Homo-Ehe-Organisation

Mit der offenen Ablehnung der Homo-Ehe löste Cathy einen Sturm der Entrüstung aus: Über Twitter und Facebook verkündeten Tausende, nie mehr bei der Fastfood-Braterei essen gehen zu wollen. In vielen der mehr als 1600 Filialen organisierten Aktivisten spontane Proteste. Eine Spielzeugfirma kündigte an, keine Spielsachen mehr für die Kinder-Menus der Kette produzieren zu wollen. Die Bürgermeister unter anderem von San Francisco, Boston, Chicago und Washington kritisierten Chick-Fil-A öffentlich und dachten lautstark darüber nach, ob die Kette in ihrer Stadt noch etwas zu suchen habe.

"Die nächste Chick-fil-A-Filiale ist 40 Meilen weit entfernt und ich schlage vor, dass das besser auch so bleibt", meinte Edwin Lee, der Bürgermeister von San Francisco. "Die Werte von Chick-fil-A sind nicht die von Chicago", sagte sein Kollege Rahm Emanuel aus dem Bundesstaat Illinois in einem Interview. Der milliardenschwere Gründer des Internet-Versandhauses Amazon, Jeff Bezos, spendete schweigend, aber öffentlichkeitswirksam rund 2,5 Mio. Dollar an eine Organisation, die die Homo-Ehe im Bundesstaat Washington durchsetzen will.

Wahlkampfthema: Republikaner demonstieren Ablehnung

US-Präsident Barack Obama hatte im Mai für einen Paukenschlag gesorgt und sich öffentlich - und als erster amtierender Präsident überhaupt - für die Homoehe stark gemacht. Er stellte sich damit bewusst gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney bei der Wahl im November, der die Gleichstellung homosexueller Paare mit der klassischen Ehe ablehnt. Das Thema ist dadurch voll auf die Wahlkampf-Agenda gerückt - und lässt die Emotionen hochkochen. Cathy hat sein Chick-fil-A mitten ins Zentrum des Streits bugsiert.

Das Familienunternehmen mit nach eigenen Angaben mehr als 4 Mrd. Dollar Umsatz im Jahr sah sich gezwungen, zurückzurudern. "Die Kultur und Service-Tradition in unseren Restaurants ist, jeden Menschen mit Ehre, Würde und Respekt zu behandeln - ungeachtet seines Glaubens, seiner Herkunft, seiner sexuellen Orientierung oder seines Geschlechts", verbreitete das Unternehmen per Pressemitteilung. "Wir wollen die Debatte über die Homo-Ehe der Regierung und der Politik überlassen."

Doch auf der anderen Seite hatten sich bereits die Befürworter von Chick-fil-A gesammelt. Unter Republikanern wurde es geradezu schick, bei der Hühnchenbraterei zu essen. "Bin hier mit zwei meiner Jungs. Wir genießen Hühnchenstreifen und einen leckeren Pfirsich-Shake bei Chick-fil-A", twitterte Rick Santorum, der Ex-Präsidentschaftskandidat. Auch Sarah Palin, die illustre Ex-Gouverneurin von Alaska, ließ sich öffentlichkeitswirksam mit einer Tüte der Fastfoodkette fotografieren.

Schließlich wurde unter anderem von dem früheren republikanischen Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, mit großem Getöse ein "Chick-fil-A-Anerkennungs-Tag" ins Leben gerufen, an dem sich am Mittwoch die Kunden in den Filialen nur so drängelten. Für sie wurde der Biss in Hähnchen-Sandwich zum politischen Meinungsäußerung.

  • dpa, 02.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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