26.01.2010, 04:00
Hotelkonzern unter Verdacht: Neuer Fall von Kreditkartenbetrug
Exklusiv
In Deutschland gibt es erneut einen Fall von Datenmissbrauch. Kartenanbieter Mastercard hat die Banken bereits vor Betrugsfällen gewarnt.
von Karsten Röbisch ,
Doris Grass Frankfurt
und Martin Scheele, Hamburg
Nach FTD-Informationen richtet sich der Verdacht gegen den US-Hotelbetreiber
Starwood , dem Ketten wie Sheraton, Westin und Le Méridien gehören. Bei mehreren Kunden soll es zu illegalen Abbuchungen gekommen sein, nachdem sie mit den Karten Hotelübernachtungen bezahlt hatten. Betroffen ist etwa das Sheraton-Hotel in Frankfurt.
"Wir sind über das Problem informiert worden und untersuchen die Vorfälle", teilte Starwood mit. Bislang sei in keinem Hotel oder Buchungssystem ein Datenmissbrauch entdeckt worden.
Der Fall belegt einmal mehr die Anfälligkeit elektronischer Zahlungssysteme für Betrügereien. Erst im November war es zur größten Rückrufaktion von Kreditkarten in Deutschland gekommen. Damals tauschten die Banken rund 250.000 Karten aus, die von Juli bis November 2009 in Spanien eingesetzt wurden. Ursache war ein mutmaßlicher Datenabgriff bei einem Prozessor. Ein Prozessor wickelt Kreditkartenzahlungen ab und sorgt etwa dafür, dass Einzelhändler ihr Geld bekommen. Für Schäden durch Kreditkartenmissbrauch haften jedoch ausschließlich die Banken.
Aktuell sind Miles-and-more-Karten mit Bezahlfunktion betroffen, die von der Lufthansa und ihrem Kooperationspartner DKB-Bank ausgegeben und von vielen Geschäftsreisenden genutzt werden. Der FTD liegen Abrechnungen von Miles-and-More-Kunden vor, die belegen, dass bereits im Oktober illegale Abbuchungen in den USA stattfanden. Stets wurden die Karten zuvor im Sheraton-Hotel in Frankfurt genutzt.
Kursinformationen und Charts
Das Datenleck ist bis zum Dienstag nicht geschlossen. Noch im Januar musste die
Lufthansa Karten sperren, weil es wiederholt zu betrügerischen Abbuchungen gekommen ist. Teilweise sind auch Karten darunter, die bereits Ende 2009 neu ausgegeben wurden. Die Lufthansa wollte sich auf Anfrage nicht zur Zahl der betroffenen Kunden und der Höhe des Schadens äußern. Auch die DKB-Bank lehnte eine Stellungnahme ab. Dafür, dass es sich um ein größeres Problem handelt, spricht die Tatsache, dass Kunden teilweise mehrere Monate warten mussten, ehe die reklamierten Geldbeträge gutgeschrieben wurden.
Teil 2: Versuchung für Mitarbeiter
-
Aus der FTD vom 26.01.2010
© 2010 Financial Times Deutschland