"Wenn die Pleitewelle anrollt", sagt Hans Haarmeyer, Insolvenzexperte vom Rhein-Ahr-Campus in Remagen, "wächst die Gefahr, dass eigentlich überlebensfähige Unternehmen keinen guten Insolvenzverwalter finden." Mehr als der Hälfte der deutschen Verwalter fehle der zur Sanierung und strategischen Neuausrichtung eines Unternehmens "fachliche Background".
Auf 200.000 schätzt Haarmeyer die Zahl der Jobs, die eigentlich erhalten werden könnten, so aber verloren gehen werden. Die Verluste der Gläubiger durch Verwalter, die ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen, beziffert der Experte in diesem Jahr auf mehr als zwölf Mrd. Euro. Sein Fazit: "Es ist skandalös, dass wir das weltweit beste Insolvenzrecht haben, aber die schlechtesten Ergebnisse erzielen."
Szenen einer Vergabepraxis: Verwalter, die zwecks Akquise und Kontaktpflege viel Zeit auf den Fluren der Amtsgerichte verbringen. Erprobte Sanierer wie der Hamburger Jan Wilhelm, die sich immer wieder geschickt beim Insolvenzrichter verkaufen müssen. "Nur wenn du die richtigen Klinken putzt, kommst du an die Verfahren", sagt er und fügt hinzu: "Das ist Widerein einziges Geschacher der Insolvenzverwalter vor dem Richter."
Kompetenz und Erfahrung zählen für die oft weniger als eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Verfahren an die Kanzleien im Bezirk. Oder ein besonderes Verhältnis zu den Bewerbern. Wilhelm: "So kann die richterliche Unabhängigkeit eigentlich nicht gemeint sein."