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Merken   Drucken   20.07.2012, 20:46 Schriftgröße: AAA

Insolvente Handelskette: Erste Interessenten beschnuppern Neckermann

Der Insolvenzverwalter des Versandhändlers Neckermann vermittelt Zuversicht. Erste Interessenten haben sich laut Management bereits gemeldet. Versprochen wird nichts.
© Bild: 2012 Imago/Hoffmann
Der Insolvenzverwalter des Versandhändlers Neckermann vermittelt Zuversicht. Erste Interessenten haben sich laut Management bereits gemeldet. Versprochen wird nichts.

Für den zahlungsunfähigen Versandhändler Neckermann gibt es nach Angaben des Managements bereits erste Interessenten. Das teilte Unternehmenschef Henning Koopmann am Freitag nach einer Mitarbeiterversammlung mit. Der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Frege sagte, die erfolgreiche Suche nach einem Investor sei eines der wichtigsten Ziele für den Erhalt des Unternehmens. Zudem laufe das Geschäft weiter. "Die Kunden können bei Neckermann.de weiter einkaufen", so Frege. Der Versand der bestellten Produkte solle spätestens ab kommender Woche wieder planmäßig erfolgen.

Nach dem ersten Treffen mit den vorläufigen Insolvenzverwaltern zeigten sich auch die Arbeitnehmervertreter des Frankfurter Versandhändlers optimistisch. "Die Insolvenzverwalter haben einen sehr seriösen Eindruck hinterlassen", sagte Bernhard Schiederig von der Gewerkschaft Verdi.

Die Mitarbeiter seien zuversichtlich, dass die Rechtsanwälte Michael Frege und Joachim Kühne alles für den Erhalt des Standorts tun werden. Beide hätten allerdings betont, dass sie keinerlei Versprechungen machen könnten. Die Insolvenzverwalter wollten sich zunächst darauf konzentrieren, die Auszahlung des Insolvenzgeldes an die Mitarbeiter sicherzustellen, sagte Schiederig.

Auch Frege äußerte sich nach dem Treffen zufrieden: "Wir haben gute Gespräche mit Gläubigern, Mitarbeitern und der Geschäftsführung geführt. Wir hoffen, in der schwierigen Situation gut helfen zu können."

In den kommenden Wochen wird sich entscheiden, ob es bei dem zahlungsunfähigen Versandhändler weitergeht und wie eine Sanierung ablaufen könnte. Einzelne Unternehmensbereiche wie der Möbelverkauf oder der Vertrieb von Technikprodukten gelten als profitabel. Das Geschäft mit anderen Vertriebspartnern, die ihre Produkte online über die Neckermann-Plattform anbieten, wächst nach Aussage von Logistik-Betriebsrat Thomas Schmidt sogar zweistellig.

Die Neckermann.de GmbH hatte am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt, nachdem der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, die Zahlungen eingestellt hatte. In Deutschland stehen nach letzten Angaben des Unternehmens etwa 2250 Jobs an den Standorten Frankfurt am Main und Heideloh in Sachsen-Anhalt auf dem Spiel.

Unklar ist noch, wie stark die Neckermann-Pleite auf andere Unternehmen abfärbt. Die Deutsche Post  rechnet trotz der Insolvenz ihres Großkunden weiter mit guten Zahlen für dieses Jahr. "Wir beobachten die Entwicklung aufmerksam und prüfen entsprechende Folgen für uns im Detail", sagte Finanzvorstand Larry Rosen. "Den Geschäftsverlauf in 2012 sehen wir aber weiterhin ungebrochen positiv."

Nach Berechnungen des "Handelblatts" könnten der Post durch die Insolvenz ihres Großkunden zum Jahresende bis zu 100 Mio. Euro in der Kasse fehlen. 2005 hatte die Post die Groß- und Stückgut-Logistik der einstigen KarstadtQuelle  AG übernommen, zu der damals auch Neckermann gehörte.

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  • dpa, 20.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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