Die Schlecker-Familie stellt sich seit einiger Zeit als Führungsteam dar. Doch die Geschäftspartner interessiert, wer das Sagen hat.
von Henning HinzeHamburg
Die Stimmung kippt von freundlich-distanziert zu deutlich irritiert, als die Sprache auf die Machtverhältnisse kommt. "Was wird das hier eigentlich? Eine Beleidigung? Wir sind hier die Chefs!", sagt Meike Schlecker; eigentlich motzt sie in dem Moment sogar, auch wenn das Wort ansonsten nicht zu ihr passt. Es ist der Punkt, an dem die Transparenzoffensive der Schleckers ihr Ende hat. Der Punkt, an dem sich die Frage einstellt, ob alles nur eine fein konstruierte, aber dennoch erfundene Fassade hinter der alten, abweisenden Fassade ist.
Der Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker auf einem Foto aus dem Jahre 1999
Vor gut einem Jahr hat die Familie Schlecker eine Revolution losgetreten. Jahrzehntelang hatten die Eltern Anton und Christa ihr Unternehmen mit harter Hand geführt und sich auf keine Diskussion eingelassen, nicht mit Angestellten, nicht mit Gewerkschaftern, nicht mit Lieferanten, nicht mit Journalisten. Vor zwei Jahren war der Ruf des Unternehmens schließlich so ruiniert, dass es selbst von Mitgliedern der Bundesregierung als Beispiel für ausbeuterische Arbeitsbedingungen genannt wurde - während gleichzeitig jedes Jahr mehr Kunden die Läden mieden. Dann traten die Kinder Lars und Meike Schlecker in die Öffentlichkeit und gaben der Firma im doppelten Wortsinn ein menschliches Gesicht. Mit ihrem Bild und mit oft überzeugenden Antworten auf alle Fragen.
Eine Bildmontage zeigt Meike (l.) und Lars Schlecker
Bis auf eine: Wie ist die Machtverteilung im Unternehmen? Haben sie, da sie es repräsentieren, die Mehrheit am Unternehmen? Übertragen bekommen? Erputscht? Alle Anteile lägen bei der Familie, sagte Meike Schlecker im vergangenen Juni in dem mit ihrem Bruder Lars geführten Gespräch mit der FTD. Wer die Mehrheit habe? "Das wollen wir nicht sagen." Wer entscheidet in Streitfällen? "Wir reden. Und wir haben bisher immer einen Konsens erreicht." Keine Abstimmung? "Nie." Einer muss doch der Chef sein! Antwort: Siehe ganz oben.
Wie viel Anton steckt noch in Schlecker? Die Frage beschäftigt Schleckers Verhandlungspartner intensiv, denn grundsätzlich ist das Vertrauen in die Kinder größer als in den Alten. Der hat Öffentlichkeit, Arbeitnehmer und Lieferanten verprellt. Die einen durch Nichtbeachtung, die anderen durch Grobheit. Selbst unter den wenig empfindsam auftretenden Lieferantenvertretern gibt es manchen, der mit der Faust in der Tasche auf die Gelegenheit wartet, es Schlecker heimzahlen zu können. Der Glaube an seine Vertrauenswürdigkeit ist gering, auch wenn beispielsweise ein mit Schlecker in Kontakt stehender bisheriger Chef eines Großhandelsunternehmens ihn als umgänglichen, ja angenehm zurückhaltenden Menschen beschreibt.
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