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  FTD-Serie: Der internationale Bahnvergleich

Die Deutsche Bahn drängt an die Börse. Auch international ist der Schienenverkehr im Umbruch. Die FTD beleuchtet in dieser Serie die Strategien der Anbieter in den USA, Frankreich, Italien, Japan, Großbritannien und der Schweiz. Was machen sie besser, was schlechter? Und wie ist ihre Positionierung gegenüber dem Finanzmarkt?

Merken   Drucken   27.08.2008, 11:12 Schriftgröße: AAA

Internationaler Bahnvergleich (Teil 2): Frankreich - Expansion streng nach Vorbild

Frankreichs staatliche Eisenbahn hegt offiziell keine Kapitalmarktpläne - den Konzernumbau hat sich SNCF dennoch bei den Deutschen abgeschaut. SNCF-Chef Pepy gerät sogar ins Schwärmen. von Lutz Meier (Paris)
Das Chefbüro ist noch nicht ganz eingerichtet, doch ein Werk hat Guillaume Pepy griffbereit. Der neue Präsident der französischen Staatsbahn SNCF hastet herüber und wedelt mit dem "Competition Report" der Deutschen Bahn (DB). "Das kenne ich fast auswendig", scherzt Pepy.
Kein Wunder: Die DB ist die Messlatte für den Umbau, den Pepy der SNCF verordnet hat. Er will den Rückstand aufholen, bevor Europas Bahnmarkt in drei Jahren endgültig für die Konkurrenz geöffnet ist. "Wir werden es exakt genauso machen wie die DB", betont Pepy mit Blick auf das Frachtgeschäft. "In sechs oder sieben Jahren ist sie ein Champion geworden, der international auftritt und den Warentransport auf allen Verkehrsträgern abdeckt", schwärmt der 50-Jährige von der DB.
Pepy eifert dem nach: Gerade hat er den Logistikdienstleister Geodis übernommen, so wie die DB vor einigen Jahren den Spediteur Schenker. SNCF will mit der Übernahme zur Nummer vier im europäischen Logistikmarkt aufsteigen hinter der Deutschen Post, der DB und Kühne Nagel. "Was Pepy vorhat, läuft auf einen frontalen Konkurrenzkampf zwischen DB und SNCF heraus", konstatiert Didier Le Reste, Chef der größten französischen Bahngewerkschaft CGT Cheminots.
Nicolas Sarkozy sitzt im TGV   Nicolas Sarkozy sitzt im TGV
"Nichts ist ausgeschlossen"
Nach einem Machtkampf im Konzern hatte Präsident Nicolas Sarkozy den langjährigen Vize Pepy vor einem halben Jahr in die Führungsspitze berufen. Der drückt nun beim Umbau des Staatskonzerns aufs Tempo. "Ich habe mit der SNCF Großes vor", sagte Sarkozy. Und Pepy liefert Prognosen: Er will den Umsatz bis zum Geschäftsjahr 2012 um immerhin 50 Prozent steigern und den Gewinn verdoppeln. Dafür geht er auf Einkaufstour: "Wir werden die Zukaufoffensive weiterführen, um unser Kerngeschäft auszubauen, so wie es die Deutsche Bahn seit einigen Jahren macht", kündigt Pepy an.
Logistik, Regionalverkehr, Hochgeschwindigkeitsstrecken - "im Prinzip sind wir an ganz Europa interessiert". Aber auch mit der weltweiten Expansion liebäugelt Pepy: "Nichts ist ausgeschlossen, auch nicht, dass wir eines Tages eine TGV-Linie in Asien oder Südamerika betreiben." Dafür würden jedoch immer lokale Partner eingebunden werden. Als wichtigste Wachstumsmärkte hat sich der SNCF-Chef allerdings zunächst Großbritannien und Deutschland vorgenommen. Den kleinen Güterzugbetreiber ITL in Dresden haben die Franzosen kürzlich gekauft. Weitere Übernahmeziele habe er im Blick, sagt Pepy. Eine Investitionssumme von 2 bis 3 Mrd. Euro hatte er gegenüber der französischen Tageszeitung "Le Figaro" angekündigt.
Geld von der Börse brauche er für seine Vorhaben nicht, sagt der SNCF-Chef. Für einen Notierung am Finanzmarkt habe er auch kein Mandat. Daran zweifelt Gewerkschafter Le Reste: "Egal was Pepy sagt, wenn man das Unternehmen so umbaut, wie er es vorhat, bereitet man es objektiv für die Privatisierung vor." Für Pepy ist die SNCF "ein zu kompliziertes Unternehmen", das zudem "stark von Perfektionismus geprägt" sei. Er wolle die zentralisierte Konzernstruktur "radikal vereinfachen".

Teil 2: Warum die Kunden zufrieden sind

  • Aus der FTD vom 27.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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