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Merken   Drucken   30.07.2012, 11:11 Schriftgröße: AAA

Internethändler: Zalando am Pranger

Mit aggressiver Werbung wurde Zalando zum Branchenstar. Erstmals sieht sich der Online-Schuhhändler nun heftiger Kritik aus dem Internet ausgesetzt - wegen beschmierter Toiletten für Mitarbeiter und den niedrigen Löhnen.
Mit aggressiver Werbung wurde Zalando zum Branchenstar. Erstmals sieht sich der Online-Schuhhändler nun heftiger Kritik aus dem Internet ausgesetzt - wegen beschmierter Toiletten für Mitarbeiter und den niedrigen Löhnen.
von Großbeeren

Die Toilette also: ein Container am Rand der Halle - mit drei Kabinen für Frauen, zwei Kabinen und ein paar Pissoirs für Männer. Ein Putzmann wischt über die kleinen Fensterrahmen und die Wände mit den Scheißhausparolen. "Mit den richtigen Mitteln könnte ich das auch wegmachen", sagt er. Aber die hat man ihm noch nicht gegeben. So bleibt eben alles, wie es ist: geputzt, aber beschmiert, nicht unmenschlich, aber auch nicht gerade cool.

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Genau diese Toilette hat vergangene Woche Aufregung verursacht. Sie gehört zum Internetunternehmen Zalando, das Schuhe und Kleidung verkauft und ganz besonders cool sein will. Als dessen Kunden dann durch plakative Aufnahmen eines ZDF-Reporters von dieser Toilette und Niedriglöhnen in dem zugehörigen Zalando-Versandzentrum erfuhren, machten sie im Internet ihrer Enttäuschung mit deftigen Wutausbrüchen Luft. Für solch ein Phänomen wurde vor Längerem das - in diesem Fall besonders gut passende - Wort "Shitstorm" erfunden.

Seitdem herrscht bei Zalando Unruhe. Zum ersten Mal in seiner jungen Erfolgsgeschichte steht das Unternehmen am Pranger. Weil es aber vor allem aus seinem guten Ruf besteht, beschädigt jeder Kratzer in der Fassade direkt die Unternehmenssubstanz. Zalando ist das jüngste große Ding der drei Samwer-Brüder, die reihenweise Internetfirmen hochziehen und mit Zalando in den vergangenen vier Jahren die digitale Revolution im Handel dramatisch beschleunigt haben. Görtz, Otto oder Karstadt, selbst Amazon  - alle spüren, wie junge Kunden rasant ins Netz abwandern. Auch weil sie bei Zalando mittlerweile in zwölf Ländern gelernt haben, nach Herzenslust zu bestellen und zurückzuschicken. Deshalb erwirtschaftet Zalando zwar jedes Jahr Verluste in ungenannter Höhe, aber verkaufte im vergangenen Jahr Unternehmensangaben zufolge auch schon Waren für eine halbe Milliarde Euro . Die Firma ist ein Maßstab für die Branche geworden. Die beobachtet genau, wie Zalando sich jetzt, in der Realität angekommen, schlägt.

"Die Kunden haben andere Erwartungen an Zalando, und, ganz ehrlich: Wir haben auch andere Erwartungen an uns", sagt Zalandos Logistik-Geschäftsführer David Schröder. Nachdem das Unternehmen seit Mittwochabend beschimpft worden war, setzten er und weitere Zalando-Leute sich noch am vergangenen Freitag mit dem Betreiber des Versandzentrums, der niederländischen Firma Docdata, zusammen und erstellten einen Aktionsplan.

Darin festgehalten ist etwa die Erhöhung der Putzfrequenz. Auch der schon länger geplante Bau von Umkleidekabinen und richtigen Toiletten, von denen es bisher zu wenige gibt, soll schneller gehen. Die Details der Liste sind geheim. Andeutungsweise sprechen die Beteiligten auch davon, dass die Mitarbeiterstruktur geändert werden soll. Sie wollen eine Busverbindung nach Berlin, um mehr Arbeitskräfte aus dem Umland zu bekommen. Großbeeren liegt zwar in der Nähe des künftigen Hauptstadtflughafens, beschäftigt aber überwiegend Berufspendler aus Polen. Wie hoch der Anteil der heimischen Arbeitskräfte ist, sagt das Unternehmen nicht.

Das Kernproblem allerdings steht auch bei Zalando noch nicht auf der Liste. Weder für Großbeeren, noch für die drei eigenen Versandzentren, von denen Zalando eins eröffnet hat, eins baut und für eins einen Standort sucht: die Schwierigkeit, auch im Niedriglohnsektor cool zu sein. 7,01 Euro pro Stunde für Leiharbeiter und etwa 8 Euro für Festangestellte sind zwar legal, aber zu niedrig, um von Kunden nicht angreifbar zu sein. Die wollen hier genauso wenig dafür zahlen wie woanders, nur die Ansprüche an Zalando als Branchenmaßstab sind inzwischen besonders hoch. "Wir wollen Verantwortung übernehmen", sagt Schröder. Auch wenn die Firma noch nicht weiß, wie weit das gehen wird. "Die letzten Tage waren auch für uns ein Weckruf."

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