Der Verdacht der Staatsanwaltschaft lautet auf Betrug und illegale Arbeitnehmerüberlassung, teilten die Ermittler am Mittwoch mit. Das Unternehmen habe Lieferanten und Abnehmer getäuscht und sich vor Sozialabgaben gedrückt.
Tönnies bestätigte die Durchsuchungen. Das Unternehmen werde mit den Behörden kooperieren, sagte ein Firmensprecher der FTD. "Wir sind der Ansicht, dass wir die Vorwürfe ausräumen können."
Die Fleischbranche kämpft seit Jahren mit Skandalen, Imageproblemen und Vorwürfen illegaler Beschäftigung. Tierkrankheiten wie Rinderwahnsinn (BSE) oder Vogelgrippe lassen den Absatz zeitweise ebenso einbrechen wie Funde verdorbener Ware. Die Fleischhersteller stehen unter dem Druck des Handels, ihre Ware möglichst günstig anzubieten. Zudem sehen sie sich dem Verdacht ausgesetzt, sie würden illegale Billigarbeiter beschäftigen.
Das Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück läuft bereits seit Dezember 2006. Es richte sich gegen Inhaber Clemens Tönnies sowie eine "Vielzahl weiterer Verantwortlicher", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Clemens Tönnies' Unternehmensgruppe setzt rund 3 Mrd. Euro jährlich um. Zugleich ist er Aufsichtsratschef des Fußballclubs FC Schalke 04 und hatte das Sponsoring des Klubs mit dem russischen Energiekonzern Gazprom eingefädelt.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Tönnies-Gruppe unter anderem vor, mit Auftragnehmern Werkverträge abgeschlossen zu haben, die eigentlich sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden mussten. Verstöße gegen das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz gebe es selbst in großen Betrieben, "wenn das nötige Controlling" fehle, sagte Arbeitsrechtler Christoph Abeln.
Die Durchsuchungen bei Tönnies stünden nicht im Kontext mit Gammelfleisch, stellte die Staatsanwaltschaft klar. Es wurden rund 30 Wohn- und Geschäftsräume in Deutschland und auf Zypern durchsucht und "umfangreiches Beweismaterial" sichergestellt.