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Merken   Drucken   21.11.2012, 19:28 Schriftgröße: AAA

Kantinenbetreiber: Sodexo will trotz Erdbeerskandal in Deutschland expandieren

Der französische Sodexo-Konzern plant eine Großoffensive im deutschen Markt - trotz des Skandals um verseuchte Erdbeeren in Schulessen. Zulegen will der weltgrößte Kantinenbetreiber dabei ausgerechnet in Krankenhäusern und Seniorenheimen.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk / Hendrik Schmidt
Exklusiv Der französische Sodexo-Konzern plant eine Großoffensive im deutschen Markt - trotz des Skandals um verseuchte Erdbeeren in Schulessen. Zulegen will der weltgrößte Kantinenbetreiber dabei ausgerechnet in Krankenhäusern und Seniorenheimen.
von Paris

Ungeachtet des Skandals um verseuchte Erdbeeren in Schulessen will der weltgrößte Kantinenbetreiber Sodexo sein Geschäft in Deutschland ausbauen. "Es ist das Land in Europa, in dem wir den größten Ehrgeiz haben", sagte Sodexo-Chef Michel Landel der FTD. Das durchschnittliche Wachstum von acht Prozent, das der französische Konzern von 2009 bis 2012 im deutschen Markt erreicht hat, will Landel noch steigern: "Mittelfristig wollen wir besser abschneiden." Zulegen möchte Landel besonders mit Dienstleistungen für Krankenhäuser oder Seniorenheime. Kürzlich hatte er die Managerin Adrienne Axler zur Deutschland-Chefin ernannt, eine Expertin für Gesundheitswirtschaft.

Brechdurchfall bei Tausenden

Allerdings hat das Ansehen des Unternehmens unter der Erdbeeraffäre stark gelitten - was die Expansionspläne behindert. Der Anbieter war erst im September durch den Skandal um virusinfizierte Erdbeeren in Sodexo-Mahlzeiten in Deutschland bekannt geworden. Das von einem Zulieferer aus China importierte Obst löste Brechdurchfall bei rund 11.000 Kindern und Erwachsenen aus. "Wir bedauern diesen Vorfall sehr", sagte Landel. Nun wolle er "diese Krise in eine Chance verwandeln".

Zum weltweiten Sodexo-Umsatz von 18,2 Mrd. Euro steuert Deutschland angesichts der Größe des Marktes einen vergleichsweise kleinen Anteil bei: Der Erlös beträgt etwa 480 Mio. Euro, hinzu kommen rund 250 Mio. Euro Umsatz mit Partnerfirmen. Ihr größtes Geschäft machen die Franzosen mit Dienstleistungen für Unternehmen - beispielsweise mit Kantinenbetrieb, Gebäudereinigung, Wartungsarbeiten oder Sicherheitsdiensten. Die Strategie ist, durch die Übernahme vieler Aufgaben die Kunden an sich zu binden und so die eigene Rendite zu steigern.

Harter Preiskampf

Nun will der Konzern vermehrt Gesundheitseinrichtungen für sich gewinnen, indem er von der Verpflegung bis zur Reinigung von OP-Sälen alles anbietet. "Der Druck auf die Gesundheitsausgaben beschleunigt die Rationalisierung - das eröffnet uns Chancen", sagte Deutschland-Chefin Axler. Sie plane aber keine Zukäufe. Bereits 2008 hatte Sodexo den Spezialdienstleister Zehnacker übernommen.

Im Ausbau des Geschäfts mit Ganztagsschulen und Kindergärten sieht Sodexo ebenfalls Möglichkeiten. Allerdings herrscht in der Verpflegung für Kinder ein harter Preiskampf. Landel bestritt, dass Sodexo als Preisbrecher auftritt: "Wir haben unsere Erdbeeren nicht in China gekauft, weil wir unsere Kosten senken wollten." Zugleich räumte er ein: "Es gibt Segmente, wo das Geschäftsmodell von der Preisdynamik überholt worden ist." Weltweit will Landel jetzt zu wenig rentable Verträge neu verhandeln oder auflösen. Dies betrifft auch Verträge mit deutschen Schulen.

  • Aus der FTD vom 22.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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