Der Machtkampf um Media-Saturn wird diese Woche um zwei weitere Kapitel fortgeschrieben: Einerseits reitet einer der Minderheitsgesellschafter eine neue Verbalattacke gegen den Mehrheitseigner, und andererseits soll ein Schiedsgericht Ruhe in die Auseinandersetzung bringen.
Seit Jahren zoffen sich der Metro-Konzern und zwei Ingolstädter Geschäftsleute darum, wer bei Europas größtem Elektronikhändler wie viel zu sagen hat. Der prominentere dieser beiden streitbaren Oberbayern, Erich Kellerhals, warf am Montag per "Süddeutscher Zeitung" der Metro -Führung Unfähigkeit vor. Unzufrieden ist er mit Metro-Chef Olaf Koch, einem Finanzexperten. "Ich fordere seit langer Zeit einen Handelsmann an der Spitze der Metro. Es reicht nicht, einfach nur Finanzpakete hin und her zu schicken", ätzte Kellerhals. "Man muss wissen, wie der Handel tickt." Das Schiedsgericht wiederum tagt am Dienstag und soll klären, wer künftig bei Media-Saturn das Sagen hat.
Aus der Vogelperspektive ist das eigentlich eine klare Sache: Denn Metro hält drei Viertel der Anteile, oder noch genauer: 75,41 Prozent. Kellerhals gehören vergleichsweise mickrige 21,62 Prozent an Media-Saturn und seinem langjährigem Geschäftspartner Leopold Stiefel 2,97 Prozent.
Trotz dieser Verhältnisse - durchregieren kann das Metro-Management bei seiner Ingolstädter Tochter nicht. Denn laut Firmenstatuten muss für wichtige Entscheidungen bei Media-Saturn eine Mehrheit von 80 Prozent her - und die hätte Metro nur mit Kellerhals an der Seite.
Der Grund hierfür liegt wiederum in der Firmengeschichte. Kellerhals gründete einst - zusammen mit Stiefel - Media-Markt. Als die Einzelhandelskette Kaufhof vor gut zwanzig Jahren etwas mehr als die Hälfte an dem Elektronikhändler erwarb, sicherte sich Kellerhals ein Vetrorecht. Kaufhof ist heute ebenfalls Teil des Metro-Konzerns.
Schon länger versucht die Führung in Düsseldorf, die widerspenstigen Oberbayern unter Kontrolle zu bringen. Denn am Rhein fürchtet man, dass wichtige Entscheidungen bei der Elektronikkette liegen bleiben, weil die Eigner sich nicht grün sind. So hatte es beispielsweise Zoff um die Online-Strategie bei Media-Saturn gegeben. Das Unternehmen startete schließlich verspätet in den Internet-Handel - ein Nachteil gegenüber Wettbewerbern.
Der frühere Metro-Chef Eckhard Cordes rieb sich im Kampf um die Macht bei Media-Saturn geradezu auf. Im Frühjahr 2011 eskalierte der Streit. Damals setzte Cordes die Einrichtung eines Beirats durch, der anstelle der Gesellschafterversammlung bei Media-Saturn wesentliche Aufgaben übernehmen sollte. Mit diesem Beirat sollte Kellerhals' mächtige Stellung untergraben werden, eine einfache Mehrheit sollte für Entscheidungen reichen - womit Metro die Macht gehabt hätte.
Doch Kellerhals wehrte sich und wusste dabei Stiefel an seiner Seite. Seitdem ist das Vertrauen zwischen Mehrheits- und Minderheitsgesellschaftern zerstört, zwischenzeitlich machten sie sich mit kleinteiligen Geschäftsordnungsanträgen gegenseitig das Leben schwer.
Der Streit um eben jenen Beirat schwelt noch heute - er ist Gegenstand der Schiedsgerichtsverhandlung an diesem Dienstag. In einer nicht-öffentlichen Sitzung sollen Vertreter von Metro und der Minderheitseigner aufeinandertreffen und klären, worüber das Gremium entscheiden kann und mit welcher Mehrheit. Ort und Zeit des Schiedsgerichtstreffens werden nicht bekannt gegeben. Ungewiss ist auch, ob es am Dienstag zu einem Schiedsspruch kommen wird.
Vor dem Schiedsgericht wiederum landete der Konflikt, weil das Oberlandesgericht München sich nach vorläufiger Rechtsauffassung nicht zuständig sieht. Das Landgericht Ingolstadt hatte es Metro im vergangenen Herbst verwehrt, die aktuellen Machtverhältnisse mit Hilfe dieses Beirats auszuhebeln. Weil Metro Rechtsmittel dagegen einlegte, landete der Fall vor dem Oberlandesgericht.
Der Kampf wird auf beiden Seiten erbittert geführt, auch auf Nebenkriegsschauplätzen So wollte Kellerhals im vergangenen Jahr dem damaligen Metro-Chef Cordes per Gericht verbieten lassen, Gesellschafterversammlungen bei Media-Saturn zu leiten und Stenografen dorthin zu bestellen. Den Antrag zog Kellerhals schließlich im Herbst zurück, weil er eine Niederlage fürchtete.
Zusätzlich zu diesem Machtkampf macht Media-Saturn ein Korruptionsskandal zu schaffen. In dem Prozess um die Zahlung von Schmiergeld stehen ehemalige Topmanager der Elektrohandelskette vor Gericht. Im Kern geht es um den Verkauf von DSL-Anschlüssen in Filialen der Elektronikkette. Ein Wetzlarer Unternehmer soll einem inzwischen verhafteten Regionalgeschäftsführer Geld gezahlt haben, um bei Media-Saturn verkaufen zu können. Die Beträge flossen zeitweise über Firmenkonten der jeweiligen Ehefrauen.