Im ersten Quartal 2008 sind mit 29,7 Millionen Zuschauern gut ein Viertel mehr Besucher in die Kinos geströmt als ein Jahr zuvor. Der Umsatz von knapp 191 Mio. Euro lag um 29 Prozent über dem Vergleichswert, teilte der Verband der Filmverleiher am Mittwoch mit. Den Berechnungen liegen jeweils die Besucherzahlen von Donnerstag bis Sonntag zugrunde. Die Marktforschung Nielsen EDI, die auch die übrigen Wochentage einbezieht, kommt auf ein Umsatzplus von 33 Prozent.
Hauptgrund für den erfolgreichen Auftakt sei die große Zahl guter internationaler und heimischer Filmproduktionen, sagte Martin Bachmann, Vorstand des Verleiherverbandes. Bereits fünf deutsche Filme hätten seit Jahresbeginn jeweils über eine Million Zuschauer gehabt - mehr als im Gesamtjahr 2007. Der Überraschungserfolg "Keinohrhasen" kommt mittlerweile auf sechs Millionen. Angesichts zahlreicher Großproduktionen, die demnächst in die Kinos kommen, erwartet Bachmann, dass sich der Trend fortsetzt. Nach dem schlechten Kinojahr 2007 atmet die Branche nun auf. Verleiher und Kinobetreiber sehen in den Zahlen einen Beleg für die zyklische Entwicklung des Filmgeschäfts. "Von einer Kinokrise oder einem Kinosterben kann keine Rede sein", sagte Jan Oesterlin, Geschäftsführer der Branchenvereinigung Pro Kino. Ein langfristiger Abwärtstrend sei nicht zu erkennen.
Laut Zahlen der Filmförderanstalt lag der Jahresumsatz 2007 mit 758 Mio. Euro zwar nur minimal über dem Erlös von 1997. In der Zwischenzeit gab es aber eine Reihe starker Ausschläge nach oben, etwa im "Herr der Ringe"-Jahr 2001, als die Branche knapp 990 Mio. Euro umsetzte. Auch die Zahl der Kinosäle hat sich in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert - und pendelt um gut 4800. 2007 stand der Schließung von 134 Kinos die Eröffnung von 118 neuen Sälen gegenüber.
In einer aktuellen Werbekampagne propagiert die Branche nun die "artgerechte Haltung" von Filmen. Sie ruft die Zuschauer auf, Filme im Kino anzusehen statt auf DVD, dem Computer oder Handy - wohl wissend, dass rund die Hälfte der Erlöse eines Films aus der Zweit- und Drittverwertung auf DVD, im Fernsehen oder im Internet stammt. "Je erfolgreicher ein Film im Kino läuft, desto erfolgreicher auch die weitere Verwertungskette", so Bachmann.