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Merken   Drucken   01.07.2008, 14:59 Schriftgröße: AAA

Konkurrenz für Aldi und Lidl: Kartellamt stimmt zu: Aus Plus wird Netto

Im Gezerre um die Übernahme des Discounters Plus können Edeka und Tengelmann aufatmen: Das Bundeskartellamt verkündete die Voraussetzungen, unter denen Edeka den Discounter Plus vom Mülheimer Handelskonzern Tengelmann übernehmen darf. von Katja Wilke (Düsseldorf) und Nicola de Paoli (Hamburg)
Die Behörde stellt mildere Bedingungen, als noch vor Kurzem erwartet wurde: Nur knapp 400 Filialen muss Tengelmann an Dritte abgeben. Zudem untersagte das Amt die geplante Einkaufskooperation der Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte mit Edeka. Damit entsteht gemessen am Umsatz eine neue Nummer drei auf dem Discountermarkt. Mit Erlösen von rund 10,4 Mrd. Euro wird Netto künftig direkt den Marktführern Aldi und Lidl folgen.
Unter der Führung von Edeka sollen Plus und der Edeka-Discounter Netto Marken-Discount zu einem Gemeinschaftsunternehmen zusammengeführt werden. Anfang April hatte die Behörde signalisiert, dass die von Edeka und Tengelmann im November verkündete Zusammenlegung in der geplanten Form nicht genehmigungsfähig sei. Daraufhin rechnete die Branche mit harten Einschnitten - etwa der Abgabe von bis zu 800 Standorten.
Tengelmann will nun schnellstmöglich die Filialen verkaufen, die Edeka nicht übernehmen darf. Man habe bereits Gespräche über den Verkauf der 378 Plus-Standorte aufgenommen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Experten gehen davon aus, dass ein Teil dieser Filialen schwer loszuschlagen sein wird. "Wenn die Läden, die zum Verkauf stehen, den Durchschnitt der Plus-Filialen repräsentieren, sind 100 bis 150 der Standorte nicht wettbewerbsfähig - und damit kaum verkäuflich", sagte Handelsexperte Thomas Roeb. Das Kartellamt wischte solche Bedenken am Dienstag beiseite. "Wir glauben, das Paket ist veräußerbar", sagte Birgit Krüger, Leiterin der zuständigen Beschlussabteilung.
Hunderte Plus-Filialen müssen geschlossen werden   Hunderte Plus-Filialen müssen geschlossen werden
Edeka-Chef Markus Mosa  lieferte am Dienstag bereits einen Zeitplan für den Verkauf der Filialen: Der Verkauf der vor allem in Ostdeutschland gelegenen Standorte solle in maximal sechs Monaten vollzogen werden, sagte er in einer Telefonkonferenz. Interessenten seien unter anderem die Kette Netto Nord, die unabhängig von der Discounttochter Netto ist und an der Edeka mit 25 Prozent beteiligt ist. Edeka müsste allerdings erst seinen Anteil an Netto Nord veräußern, da die Kette sonst aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht bei Plus zuschlagen darf. Auch Konkurrent Rewe hatte in den vergangenen Wochen immer wieder Kaufinteresse signalisiert.
Die größten deutschen Discounter nach Filialen 2008   Die größten deutschen Discounter nach Filialen 2008
Die Plus-Filialen dürfen nur an maximal drei Käufer veräußert werden. Damit will das Kartellamt sicherstellen, dass sich am Markt ein Gegengewicht zu Edeka bilden kann. Eine Genehmigung der Übernahme ohne Auflagen hätte zu einer deutlichen Verschlechterung des Wettbewerbs geführt, sagte Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer . Der Wettbewerb im Lebensmittelhandel habe sich dramatisch verringert. Während es 1999 noch acht große Ketten in Deutschland gab, die 70 Prozent des Markts ausmachten, teilen sich heute fünf Firmen 90 Prozent des Markts: Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Tengelmann.
Mosa freute sich über die Entscheidung der Behörde. Für Edeka könnte die Übernahme durch die Auflagen sogar billiger als bislang geplant werden. "Weniger Volumen bedeutet einen etwas anderen Preis." Angaben zum Kaufpreis machte Mosa nicht. Branchenkenner sprechen von einem "Milliardendeal".
Ob der Kaufpreis tatsächlich sinkt, ist offen. Tengelmann darf an dem Gemeinschaftsunternehmen nun lediglich mit unter 25 Prozent beteiligt sein. Ursprünglich wollte sich Edeka zu 70 und Tengelmann zu 30 Prozent beteiligen. Diese Verschiebung könnte den Kaufpreis ausgleichen. Edeka wolle den Kauf aus eigenen Kräften stemmen, sagte Mosa.
  • Aus der FTD vom 02.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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