Chinas Millionäre halten sich beim Kauf von Schmuck und Uhren zurück - das schmeckt dem Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont ganz und gar nicht. Der Hersteller von Edelmarken Cartier, IWC und Jaeger-LeCoultre spürt trotz eines soliden ersten Halbjahrs 2012/13 eine deutliche Abkühlung des Kaufinteresses in den wichtigsten Märkten Asiens. Ungebrochen scheint dagegen die Lust der Chinesen nach teuren deutsche Limousinen und Geländewagen.
Wie Richemont am Freitag erklärte, legten die Verkäufe im Oktober währungsbereinigt nur noch um sieben Prozent zu. "Das Wachstum mildert sich ganz klar ab. Wir wachsen aber noch und das in allen Märkten", sagte der stellvertretende Konzernchef Richard Lepeu, der zusammen mit Bernard Fornas ab Anfang April 2013 die Nachfolge des langjährigen Richemont-Chefs Johann Rupert antreten wird. Auch dürfte Richemont eigenen Angaben zufolge in der zweiten Jahreshälfte deutlich weniger von Wechselkurseffekten profitieren.
Als Hauptgrund für das sich abzeichnende Ende des seit drei Jahren anhaltenden Luxusbooms gilt die starke Abkühlung der chinesischen Volkswirtschaft. Auch andere Hersteller von Luxusgütern wie der Weltmarktführer LVMH aus Frankreich, die britische Modekette Burberry und der italienische Mode- und Lederwaren-Hersteller Gucci hatten zuletzt deutlich langsamere Zuwächse vermeldet.
Insgesamt konnte Richemont die Umsätze während der ersten sechs Monate des Geschäftsjahres noch um gut ein Fünftel auf 5,11 Mrd. Euro steigern. Doch war ein Großteil davon auf die Urlaubseinkäufe asiatischer Touristen zurückzufühen, die im krisengeplagten Europa für eine spürbare Belebung der Geschäfte sorgten. Dank Währungsgewinnen, höheren Verkaufspreisen und neuer Produkte konnte Richemont den Reingewinn dabei um mehr als die Hälfte auf 1,08 Mrd. Euro steigern und traf damit die Erwartungen der Märkte ziemlich genau.
Die Richemont-Aktie verlor an der Schweizer Börse knapp ein Prozent. Zwar sei das Wachstum auch im abgelaufenen Monat noch solide, eine Wachstumsrate im mittleren einstelligen Prozentbereich in Asien und Nordamerika dürfte bei vielen Anlagern aber für Verwunderung sorgen, sagte Analyst Jon Cox von Kepler Capital Markets. Insbesondere in Nordamerika hatte Richemont in den vergangenen zwei Jahren stark zulegen können.
Im September waren die Schweizer Uhrenexporte laut Branchenverband FH um 2,7 Prozent auf 1,73 Mrd. Franken und damit das erste Mal seit über 30 Monaten zurückgegangen.