Die Drogeriekette steckt mitten in einer schmerzlichen Sanierung. Das wegen seiner Mitarbeiterführung umstrittene Unternehmen dringt nun auf Verhandlungen über einen Beitrag - und nimmt sich ein Beispiel an Karstadt und Praktiker.
von Henning HinzeHamburg
Schlecker nimmt sich ein Beispiel an Karstadt und Praktiker und verlangt von seinen Angestellten finanzielle Opfer zur Rettung des Unternehmens. Die Drogeriekette und Verdi bestätigten am Montag entsprechende Vorgespräche. Die Gewerkschaft will nun in den kommenden Wochen prüfen, ob sie sich auf Verhandlungen zu einem Sanierungstarifvertrag einlässt, dem beispielsweise Weihnachts- und Urlaubsgeld zum Opfer fallen könnten.
Der Vorstoß ist ein weiteres Indiz dafür, dass die einst größte europäische Drogeriekette in großen Schwierigkeiten steckt. Die Gewerkschaften lehnen Zugeständnisse an Unternehmen üblicherweise ab, schon allein um das Tarifgefüge nicht durcheinanderzubringen. Erfolg versprechend ist der Weg deshalb nur, wenn das Unternehmen anhand seiner Zahlen belegen kann, dass die Arbeitsplätze im Unternehmen ohne Zugeständnisse generell gefährdet wären. 2009 hatten sich die Arbeitnehmervertreter bei Karstadt darauf eingelassen, um die Firma aus der Pleite zu retten. Aktuell versucht der einstige Karstadt-Sanierer Thomas Fox mit der Methode, bei der schwer angeschlagenen Baumarktkette Praktiker die Kosten zu drücken.
Lars und Meike Schlecker
Schlecker macht seit Jahren Verlust. Der Umsatz geht ebenfalls zurück und lag 2010 bei 6,55 Mrd. Euro. Obwohl die Familie um Gründer Anton Schlecker als persönlich haftende Gesellschafter große Vermögen besitzen, gibt es seit einiger Zeit Hinweise auf eine sich möglicherweise anbahnende Notlage: So waren in der umsatzstarken Vorweihnachtszeit wochenlang viele Regale leer und Lieferanten meldeten stark rückläufige Bestellungen. Das groß angekündigte Renovierungsprogramm ist bisher unsichtbar und im Schlussquartal des laufenden Jahres wurden auffallend viele Filialen teilweise unangekündigt geschlossen.
Schlecker erklärte das am Montag erneut mit dem vor einem Jahr angekündigten Konzernumbau. "Das ist ganz normaler Bestandteil des Restrukturierungsprogramms ,Fit for Future‘", sagte ein Firmensprecher. Den angestrebten neuen Tarifvertrag mit den Arbeitnehmern nannte er einen "Zukunftssicherungsvertrag". "Ziel ist es, Schlecker in signifikanter Größe fortzuführen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Arbeitnehmer ein anderes Interesse haben", sagte er.
Die wollen sich bisher nicht festlegen: "Wir nehmen den Wunsch naturgemäß zurückhaltend zur Kenntnis", sagte ein Verdi-Sprecher. Die Gewerkschaft berate sich aber mit den Schlecker-Betriebsräten und werde, wenn die sich für einen Sanierungsbeitrag aussprechen, von Wirtschaftsprüfern die Lage bei Schlecker ermitteln lassen. Zugang zu den nötigen Daten sei bereits zugesichert worden, hieß es.
Schlecker hatte stets extreme Geheimhaltung betrieben und sich erst vor zwei Jahren für die Gewerkschaft geöffnet. Damals waren die Kinder des Gründers, Lars und Meike Schlecker, im Management aufgestiegen; allerdings ist bisher nicht klar, welche Generation in Konfliktsituationen das letzte Wort hat. Zuvor hatte sich Schlecker nach massiver Kritik verpflichtet, zumindest für einen Teil der Firma eine Tarifbindung einzugehen.
Verdi macht Zugeständnisse an Schlecker von Gegenleistungen abhängig: "Wenn man auf Geld verzichten soll und trotzdem seinen Arbeitsplatz verliert, schließt man so was besser nicht ab. Moderate Zugeständnisse für eine Arbeitsplatzgarantie sind schon eher möglich", sagte ein Verdi-Sprecher. Was Schlecker konkret verlangt, blieb unklar. Lars Schlecker hatte am Wochenende aber den Ton vorgegeben. Bisher seien die Schließungen ohne betriebsbedingte Kündigungen abgelaufen: "Wir können aber nicht garantieren, dass das im nächsten Jahr so bleibt."
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